Führungswechsel bei QuestBack: Interview mit Hilarius Dreßen

Hilarius Dreßen (QuestBack)
Hilarius Dreßen (QuestBack)

Hilarius Dreßen hat zu Jahresbeginn Frank Michael als Geschäftsführer von QuestBack abgelöst. Der Diplom-Informatiker verantwortet seit dem die Aktivitäten des Unternehmens in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Interview mit marktforschung.de berichtet er über den Führungswechsel, die geplanten Aktivitäten sowie aktuelle Herausforderungen im Bereich Enterprise Feedback Solutions.

marktforschung.de: Herr Dreßen, Sie sind als neuer Geschäftsführer von QuestBack seit Anfang Januar verantwortlich für die Aktivitäten des Unternehmens in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Als Diplom-Informatiker waren Sie bislang beruflich stark in der IT-Branche verwurzelt. Auch QuestBack ist ein Technologieunternehmen, aber stark mit einer ganz bestimmten Branche – der Marktforschung – verbunden. Was reizt Sie daran?

Hilarius Dreßen: Als Ivar Kroghrud, der Gründer und CEO von QuestBack mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte, diese Aufgabe zu übernehmen, habe ich mich intensiv mit den besonderen Anforderungen der Markt- und Meinungsforschung an einen Softwareanbieter befasst. Was mich besonders gereizt hat, ist der Einsatzbereich unserer Lösungen. Bislang setzen Unternehmen Software – abgesehen von der klassischen Anwendungssoftware – vor allem ein, um ihre Prozesse zu optimieren. Das ist aber vor allem auf das Unternehmen selbst bezogen. Durch die Digitalisierung und das Web sind Unternehmen jedoch immer stärker gezwungen, sich zu öffnen. Mitarbeiter und Kunden erwarten, dass sie Gehör finden und stärker als bisher an Entscheidungen beteiligt werden. Das heißt: Für Unternehmen ist es erfolgskritisch zu wissen, was Kunden und Mitarbeiter über Unternehmen und deren Produkte denken und sagen. Dieses Feedback systematisch erfassen und nutzen zu können, leistet einen wesentlichen Beitrag zur Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit. Genau an dieser Schnittstelle kommen unsere Softwarelösungen zum Einsatz. Das ist ein extrem spannendes und zukunftsträchtiges Feld, bei dem ich meine bisherigen Erfahrungen einbringen kann, um das Potential von QuestBack zu erschließen.

marktforschung.de: Hinter QuestBack liegen – zumindest was die Führungsebene in Deutschland anbelangt – durchaus unruhige Zeiten: Nach der Fusion von Globalpark und QuestBack scheidet Globalpark-Gründer und CEO Dr. Lorenz Gräf nicht ganz freiwillig aus dem Amt, sein Nachfolger Frank Michael verlässt das Unternehmen, nachdem er nur rund ein Jahr dessen Führung innehatte. Darüber hinaus war eine hohe Mitarbeiterfluktuation zu beobachten. Was sind Ihre Ziele und Strategien, um hier wieder nachhaltig in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen?

Hilarius Dreßen: Lorenz Gräf ist unverändert Mitglied des Advisory Boards von QuestBack und unterstützt uns in dieser Rolle. Und mit Frank Michael war verabredet, dass er QuestBack bei der Integration der Globalpark AG unterstützt. Dieser Prozess ist nun abgeschlossen und er möchte wieder selbst unternehmerisch tätig werden. Selbstverständlich hat die Übernahme durch QuestBack zu einigen Veränderungen geführt und einige Mitarbeiter haben sich neu orientiert, aber das ist normal. Diese Phase der Neuordnung haben wir jetzt hinter uns. Das zeigt sich unter anderem daran, dass Frank Michael mich in den vergangenen Monaten hervorragend unterstützt hat und wir alle offenen Stellen mit qualifizierten Kollegen neu besetzt haben. Jetzt gehen wir mit einem neuen Team an die vor uns liegenden Aufgaben und das heißt: Wir konzentrieren uns voll darauf, als Softwareanbieter unseren Kunden aus allen Branchen und Forschungseinrichtungen die beste Lösung für ihre Anforderungen zu liefern.

Was heißt das genau? Die Enterprise Feedback Suite wird als Software die zentrale Plattform der QuestBack-Gruppe sein. Die werden wir weiter ausbauen. Für 2013 haben wir uns vorgenommen, vor allem die Kernfunktionalitäten der Enterprise Feedback Suite weiterzuentwickeln. Konkret geht es dabei um die Umsetzung neuer Fragetypen, eine verbesserte grafische Benutzeroberfläche sowie die Implementierung adaptiver Vorlagen für mobile Befragungen. Diese neuen Funktionalitäten sind sowohl für unsere bestehenden Kunden als auch für Neukunden attraktiv und helfen uns dabei, unsere führende Marktposition in Europa weiter auszubauen. Die Entwicklungsarbeit bleibt dabei weiterhin in Deutschland, was auch heißt, dass wir hier weiter Arbeitsplätze schaffen.

Außerdem investieren wir weiter in Innovationen. Ein Schwerpunktthema ist dabei Real-time Feedback, mit dessen Hilfe wir auch neue Anwendungsbereiche wie Customer-Experience-Programme erschließen.

Strategisch schärfen wir unser Portfolio anhand der Mehrwerte für unsere Kunden in den unterschiedlichen Segmenten. Schließlich geht es bei Software letztlich nur um die Frage: Welchen Nutzen generieren wir nahe am Kerngeschäft unserer Kunden? Das ist die Domäne der QuestBack. Hier grenzen wir uns mit unserer langjährigen Erfahrung deutlich von den Mitbewerbern ab, und genau hier wollen wir uns fokussierter positionieren.

marktforschung.de: QuestBack firmiert in Deutschland nunmehr als GmbH, nachdem das Unternehmen nach der QuestBack-Globalpark-Fusion zunächst als Aktiengesellschaft weitergeführt worden war. Können Sie sich zu den Hintergründen äußern?

Hilarius Dreßen: Ich hoffe, ich enttäusche Sie nicht, aber da gibt es nicht viele Hintergründe. Es ist schlicht und einfach nicht wirtschaftlich und hat keinen Mehrwert – weder für unsere Kunden noch für uns – die Tochtergesellschaft einer internationalen Gruppe als AG zu führen.

marktforschung.de: Allgemein für die Marktforschungsbranche gesprochen: Wo sehen Sie die derzeit größten Herausforderungen – sowohl methodisch, technologisch als auch wirtschaftlich?

Hilarius Dreßen: Die methodischen und technischen Herausforderungen sind zwei Seiten derselben Medaille. Uns als Softwareentwickler stellen sich die gleichen Fragen wie den Forschern: Wie können wir auch unstrukturiertes Feedback erfassen und unterschiedliche Quellen integrieren? Wie gehen wir mit der Dynamik und dem veränderten Nutzerverhalten durch das Internet um? Wie gestalten wir die User Experience, so dass wir auch bei mobilen Befragungen gute Ergebnisse erzielen? Und vor allem: Wie gelingt uns das in der globalen Wirtschaft?

Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit sind wir gefordert, den Wertbeitrag und die Positionierung der Markt- und Meinungsforschung im Unternehmen zu stärken. Das heißt, wir müssen entscheidungsrelevante Informationen liefern, auf deren Grundlage die jeweiligen Fachbereiche des Unternehmens schnell konkrete Verbesserungen umsetzen können.

marktforschung.de: Welche strukturellen Veränderungen wird die Marktforschungsbranche Ihrer Ansicht nach in den nächsten zehn Jahren durchmachen – oder auch durchmachen müssen? Was bekomme ich aus der Vielzahl der Daten raus?

Hilarius Dreßen: Mit der Frage danach, was wir aus der Vielzahl der Daten herausbekommen, sprechen Sie einen entscheidenden Punkt an. Damit aus Big Data, also vielen Daten, auch relevante Informationen werden, muss sich die Methodik und damit auch die Technik weiterentwickeln. Bei der Erforschung der sozialen Netzwerke, die unter anderem durch die großen Plattformen sichtbar werden, stehen wir erst am Anfang. Es gibt beispielsweise sehr eindrucksvolle Visualisierungen dazu, wie sich eine Nachricht von Barack Obama auf Twitter verbreitet. Was das aber bedeutet und wie wir das nutzen können, ist noch nicht klar.

Ein weiterer spannender Bereich auch für die Marktforschung könnte die zunehmende Visualität sein, die wir im Netz beobachten, also dass Menschen stärker über Bilder als über Text kommunizieren – und das jederzeit an jedem Ort weltweit.

Gleichzeitig müssen wir sicherlich auch aufpassen, dass wir nicht "überforschen". Wenn wir Mitarbeiter und Kunden an allen Ecken und Enden der Off- und Onlinewelt befragen, wird die Qualität der Aussagen abnehmen. Hier gilt es, das richtige Maß zu finden.

Ich verstehe es als unsere  Aufgabe, dass wir als Softwarehersteller noch enger mit der Marktforschung zusammen arbeiten, als wir es ohnehin schon tun, um gemeinsam Antworten auf die sich kontinuierlich verändernden Fragestellungen zu geben – und besser noch: statt Trends zu folgen, sollten wir gemeinsam als Vorreiter die Paradigmenwechsel mit einläuten.

marktforschung.de: Was bedeutet das im Hinblick auf Ihre "Königsdisziplin", das Enterprise Feedback Management?

Hilarius Dreßen: Wie ich eingangs schon sagte, hat das Enterprise Feedback Management das Potential, eine entscheidende Rolle für die Zukunft von Unternehmen zu spielen, weil die Bedeutung der aktiven Beteiligung von Mitarbeitern und Kunden wächst. Unternehmen können ihre eigene Zukunft nicht mehr nur auf der Vorstandsetage gestalten: Zuhören ist wichtiger denn je. Gerade das Social Web zeigt uns, dass Menschen nicht nur die angebotenen Rückkanäle nutzen, sondern sich dort, wo es keine gibt, sich selbst welche schaffen. Das ist ein riesiges Potential, das Unternehmen nutzen können. Als Entwickler müssen in der Lage sein, unsere Software sehr schnell und flexibel an eine Vielzahl unterschiedlicher und sehr spezifischer Aufgaben anzupassen. Das geht nur, wenn Entwickler, Berater und Forscher – wie schon gesagt –  eng zusammenarbeiten.

marktforschung.de: Herr Dreßen, herzlichen Dank für dieses Gespräch und viel Erfolg!

Veröffentlicht am: 30.01.2013

 

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