Fragebogengestaltung: "Mich begeistern kleine methodische Tricks"

Das Interview zum Web-Seminar am 03.09.2020

Wie er Fragebögen konzipiert, welche Skala sein Liebling ist und welche Fragen er nicht mehr hören kann? Dr. Axel Theobald von Rogator gibt im Interview zum Web-Seminar am 3. September vorab interessante Einblicke.

Dr. Axel Theobald, Rogator AG
Dr. Axel Theobald, Rogator

Herr Theobald, Sie sprechen am 3. September über moderne Fragebogengestaltung in Zeiten knapper Teilnehmerressourcen. Inwiefern hat die Fragebogengestaltung etwas mit Teilnehmerressourcen zu tun?

Wir sind der Überzeugung, dass die Fragebogengestaltung etwas mit der Motivation und dem Teilnahmewillen der Probandinnen und Probanden zu tun hat. Und letztlich auch mit der Datenqualität. Je höher die Motivation, desto mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer kann ich für meinen Fragebogen gewinnen. Oder ich benötige – bei einer vorgegebenen Teilnehmerzahl – weniger Einladungen pro erfolgreichem Interview. So oder so: die Ressource "Teilnehmer" wird geschont.

Fragebögen sind mittlerweile allgegenwärtig. Kaum ein Kauf oder eine Dienstleistung bei der man nicht im Nachhinein einige Fragen zugesendet bekommt. Welche Fragen können Sie nicht mehr hören? :)

"Was möchten Sie uns sonst noch mitteilen?" Ich weiß, dass viele Forscherinnen und Forscher diese Frage standardmäßig anfügen. Aber ich habe immer den Eindruck, man gibt mit solch unkonkreten Fragen das Heft des Handelns aus der Hand. Abgesehen davon, dass unnötig eine Erwartungshaltung aufgebaut wird. Außerdem bin ich ganz persönlich nicht angetan von Fragen mit Smileys.

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Welche Fragebögen, die Ihnen so über den Weg laufen, begeistern Sie? Und warum?

Mich begeistern kleine methodische Tricks, die den Teilnehmenden das Leben ein klein wenig erleichtern. Oder ein clever konzipierter Online-Fragebogen, der nur das absolut nötige der Ressource "Teilnehmer" benötigt und dem man anmerkt, dass sich jemand Mühe damit gegeben und nicht einfach nur ein paar Fragen zusammengewürfelt hat.

Welche Entwicklungen und Trends sehen Sie bei der Gestaltung von Fragebögen in den letzten Jahren? Oder ist der Großteil der Befragungen noch immer klassisch orientiert?

Es gibt immer wieder Ansätze (Stichwort: Gamification), die angeblich die Marktforschung verändern sollen. Aber meiner Beobachtung nach werden dabei auch viele Buzzwords erzeugt und kolportiert, über die nach ein paar Monaten niemand mehr spricht. Ich mag klassische, klare Fragebögen, die wenig Text verwenden und denen in Form einer cleveren Online-Umsetzung der Sprung in die moderne Mafo-Welt gelingt.

Was sind klassische Fehler, die bei der Gestaltung von Online-Fragebögen immer wieder passieren?

Zu viele Items, die aus verschiedenen Perspektiven dasselbe fragen / Zu viel erläuternder Text (wenn bspw. zum fünften Mal dieselbe Skala unnötigerweise erklärt wird) / Zu viele Füllfragen (die gestellt werden, weil sie immer gestellt werden) / Zu viele verschiedene Skalen / Fehlende Informationen / Orthographie- und Grammatikfehler.

Trefflich streiten lässt sich über das Thema "Antwortskalen": Wie lautet Ihre ganz persönliche Philosophie bei Antwortskalen? Haben Sie eine Lieblingsskala?

Meine Lieblingsskala ist aus verschiedenen Gründen die 6-Punkt-Skala, u.a. weil sie meines Erachtens am besten mit den (angenommenen) gedanklichen Bewertungsstufen eines Menschen harmoniert. Aber ich sehe das sehr pragmatisch. Meine Experimente zum Einsatz verschiedener Skalen sagen: es kommt am Ende doch immer wieder dasselbe Ergebnis heraus.

Wenn Sie einen Fragebogen von Grund auf neu entwickeln müssen: Welche Schritte folgen da aufeinander? Wie gehen Sie vor? Können Sie diesen Prozess kurz skizzieren?

Viele Leute starten, indem sie die erste Frage aufschreiben. Und dann die zweite etc. Ich gehe lieber top-down vor:

  1. Befragungsziele bzw. grundsätzliche Forschungsfragen aufstellen. 
  2. Dramaturgie des Fragebogens entwerfen (Abfolge der Themen). 
  3. Für jedes Thema die abzufragenden Sachverhalte definieren. 
  4. Daraus die Einzelfragen und Items erstellen. 
  5. Methodische Besonderheiten ausarbeiten. 
  6. Instrument gesamthaft prüfen. 
  7. Bei jeder Einzelfrage nochmals genau überlegen: Warum genau möchte ich das wissen? Wie kann ich die Ergebnisse zu dieser Frage anwenden? Hilft mir die Antwort auf diese Frage zum Erreichen meiner Befragungsziele?

Wie halten Sie es persönlich mit dem Thema Antwortzwang?

Bei geschlossenen Fragen setze ich so gut wie immer einen Antwortzwang, allerdings in 99% der Fälle mit der Ausweichoption "keine Angabe". Offene Fragen haben in der Regel bei mir keinen Antwortzwang, es sei denn, sie werden durch eine vorherige Antwort "ausgelöst". Also bspw. wenn eine Person mit etwas unzufrieden ist, kann man ihr auch zumuten anzugeben, warum das der Fall ist.

Das Thema Fragebogengestaltung interessiert Sie?
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Veröffentlicht am: 17.08.2020

 

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