"Es ist immer spannend zu sehen, was der Wettbewerb so macht"

Michael Lersch, Confirmit, und Peter Wiegelmann, Interrogare, zur Woche der Marktforschung

Die beiden Unternehmen Confirmit und Interrogare sind Unterstützer der ersten Woche der Marktforschung. Im Interview erzählen Michael Lersch, Confirmit, und Peter Wiegelmann, Interrogare von ihren letzten Festivalerfahrungen, davon, was sie sich für ihr eigenes Unternehmen wünschen und welche Herausforderungen die Marktforschung zukünftig zu bewältigen hat. Und natürlich, welche Events beide Institute im Rahmen der WdM planen.

Die WdM ist als Festival konzipiert. Da die letzten Festivals ja schon eine Weile zurückliegen: Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre letzten Festivalbesuche?

Michael Lersch: Meine letzte Festivalerfahrung liegt gar nicht so lang zurück. Heute kaum vorstellbar, aber vor ziemlich genau einem Jahr, im letzten Sommer habe ich mit 200.000 Leute Robbie Williams live beim British Summer Time Hyde Park 2019 gesehen.

Peter Wiegelmann: Da muss ich tatsächlich ein wenig überlegen. Echte Festivalbesuche liegen schon etliche Jahre - so in der Jugendzeit - zurück. Und so ganz große Festivals waren auch nie mein Fall. Was ich aber sagen kann, ist, dass das Beste an meinen Festivalbesuchen eigentlich immer die Leute waren, mit denen man die Zeit dort verbracht hat.

Was war das Verrückteste, das Sie jemals auf einem Festival erlebt haben?

Peter Wiegelmann: Ich denke, das hülle ich lieber in den Mantel des Schweigens - es reicht, wenn besagte Begleitpersonen die Erinnerungen teilen (lacht).

Michael Lersch: Vor einigen Jahren besuchte ich mit meiner Nichte ein Festival, bei dem Macklemore Headliner war. Ich wurde irgendwann ungeduldig und hatte keine Lust mehr, mir die ganzen Vorbands anzuhören und fing an zu meckern. Was mir in dem Moment nicht klar war: Macklemore stand längst auf der Bühne. Ich habe mich selten so alt gefühlt. 

Was werden Sie auf der WdM präsentieren? Warum sollte man Ihre Events nicht verpassen?

Peter Wiegelmann: Wir werden unsere Weiterentwicklung des Shelf-Test, also unseren Shelf Test 2.0 präsentieren. Dieser Ansatz, der unterschiedliche Methoden für eine deutlich verbesserte Prognosegüte kombiniert, findet so ausgesprochen viel positive Resonanz, dass wir ihn einfach gern ein weiteres Mal vorstellen. Das Besondere dabei ist, dass die Untersuchung über die reine Kaufentscheidung am Regal hinausgeht. Stattdessen wird der Kaufprozess in vier kritische Phasen unterteilt und dezidiert geprüft, wie erfolgreich die zu testenden Produkte in den einzelnen Phasen performen. Aber ich will gar nicht zu viel verraten - das übernimmt dann gern meine Kollegin Julia Vollmer, die eine echte Fachfrau auf dem Gebiet ist.

Michael Lersch: Teilnehmer können sich auf eine breite Vielfalt freuen, sowohl von den Themen als auch den Formaten her. Im Tool-Pitch werden wir kurz und knackig einen Überblick über die spannendsten Features zur Datenvisualisierung geben - von der Kreuztabellierung bis zum infographikbasierten Storytelling.

Im Roundtable freuen wir uns sehr auf eine Diskussion im exklusiven Kreis zur Frage nach den Herausforderungen, denen sich Customer Experience Professionals in den nächsten Jahren stellen müssen.

Im Webinar befassen wir uns mit der Demokratisierung von Daten und der Frage, wie Daten mit verschiedenen Dashboard-Typen im Unternehmen genutzt werden können, um den größten Mehrwert zu liefern.

An welchen Veranstaltungen werden Sie selbst im Rahmen der WdM teilnehmen?

Michael Lersch: Generell ist es bei solchen Events natürlich immer spannend zu schauen, was der Wettbewerb so macht. Durch den Merge von Confirmit und Dapresy ist unsere Produktpalette bedeutend gewachsen und somit auch der Kreis der für uns relevanten Player im Markt größer geworden. Ich habe außerdem einige unkonventionellere Formate, wie Blind Dates und virtuelle Partys gesehen und freue mich, hier mal reinzuschauen.

Peter Wiegelmann: Ich gestehe, dass ich mich noch nicht eingehend mit dem Kalender der WdM befasst habe, aber ich interessiere mich sehr für Diskussionsrunden zu verschiedenen Themen und auch allgemein Events rund um Automatisierung. Ich denke, da werde ich einiges finden.

Wo sehen Sie Herausforderungen für die Marktforschungsbranche in den nächsten Jahren?

Peter Wiegelmann: Zunächst einmal sehe ich die Herausforderung aktuell durch die gedämpfte Wirtschaftslage aufgrund von Corona, die sich aber hoffentlich nur als temporär erweisen wird. Was als Konsequenz möglicherweise noch schwerwiegender sein könnte, wäre eine gegebenenfalls geschrumpfte Felddienstleisterlandschaft, die es schwerer machen könnte, besonders spitze Zielgruppe einzukaufen.

Darüber hinaus, denke ich, wird der Bedarf an schneller und preiswerter Marktforschung weiterwachsen. Wobei dieser Trend auch deutlich immer wieder zeigen wird, dass methodisch anspruchsvolle Marktforschung und umfassende Beratung unerlässlich bleiben werden - denn Software "kann jeder". Und letztlich wird auch das ganze Thema Personal eine große Herausforderung sein und bleiben. Schließlich sind kompetente MitarbeiterInnen das A und O eines erfolgreichen Marktforschungsinstituts - und alles andere als leicht zu finden.

Michael Lersch: Aus Technologieanbietersicht gibt es eine Reihe an Herausforderungen, die wir gemeinsam mit unseren Kunden angehen werden. Ein wichtiges Feld ist die Demokratisierung von Daten in Unternehmen. Wir sind gezwungen, uns aktiv mit verschiedenen Formen von Daten auseinanderzusetzen. Auch die Frage, wie die Nutzung nicht anonymer Daten gestaltet werden kann, ist wichtig. Eine weitere Herausforderung ist es, dass Unternehmen sich immer stärker "technologisieren" müssen, um weitere Effizienzgewinne zu erzielen und Hilfestellung dabei zu bekommen, Daten effizient und effektiv im Unternehmen zu nutzen.

Ganz spannend für uns sind auch die Themen Omnichannel Data Collection und Omnichannel Delivery - Anbieter und Unternehmen müssen zunehmend besser mit verschiedenen Datenquellen und Auslieferungsformaten umgehen können.

Selbstverständlich wird uns auch Corona noch eine ganze Weile vor Herausforderungen stellen. Die Pandemie hat zu Verhaltensänderungen geführt und die Branche maßgeblich erschüttert und verändert. Die Frage ist, wie wir uns als Anbieter und Branche zukünftig aufstellen, um für solche Entwicklungen gerüstet zu sein.

Wenn Sie drei Wünsche für Ihr Unternehmen frei hätten: Was würden Sie sich wünschen?

Peter Wiegelmann: Meine ersten beiden Wünsche knüpfen indirekt an meinen letzten Aspekt der Herausforderungen an, denn ich würde mir wünschen, dass

  1. unsere MitarbeiterInnen gesund und munter bleiben und
  2. wir es weiterhin so gut schaffen, dass sie sehr zufrieden sind und sich bei Interrogare wohl fühlen. Denn ein achtsames Miteinander und eine gute Arbeitsatmosphäre halte ich für essenziell.
  3. Meinen dritten Wunsch würde ich gern etwas weiter fassen: wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität und damit einhergehend die Wiederkehr von "alten" Werten wie Respekt, einander zuhören o.ä. Denn eine positive Veränderung dieser Aspekte würde sich wiederum auch positiv auf jedes Unternehmen und Business auswirken. 

Michael Lersch: Bei Confirmit passiert momentan ganz viel und wir wünschen uns natürlich, dass sich das Unternehmen durch den Merge mit Dapresy weiterhin so positiv und rasant weiterentwickelt wie bisher und die Produkte optimal zusammenwachsen. Mit unserer Plattform bieten wir eine sehr hohe Flexibilität, um die unterschiedlichen Wünsche der Marktforschung zu erfüllen und gleichzeitig auch ein hohes Maß an Automatisierung und Effizienzgewinnung. Wir möchten unseren Kunden den größten Mehrwert liefern, indem wir zukünftig Ansprechpartner für die gesamte Prozesskette der Marktforschung sind.

Ein weiteres Thema, dass uns sehr am Herzen liegt, ist ebenfalls die Zukunft der Branche in Zeiten von Corona. Im eigenen Kundenkreis haben wir beobachtet, wie sehr einige Marktforscher unter der aktuellen Situation leiden. Wir wünschen uns, dass die Branche sich schnell erholt und damit auch weiterhin Garant für Qualität bleibt und ihre wichtige Aufgabe für Wirtschaft und Gesellschaft wieder mit voller Kraft erfüllen kann.

Den dritten Wunsch heben wir uns noch für Weihnachten oder schlechte Zeiten auf.

Auf der WdM präsentieren Sie den Shelf-Test 2.0. An welchen neuen Ansätzen ist Interrogare aktuell dran? Welche Ideen stehen ganz oben auf Ihrer Innovationspipeline?

Peter Wiegelmann: Auch bei uns hat Automatisierung eine hohe Priorisierung, allerdings nicht im Sinne von DIY-Marktforschungssoftware, sondern in Bezug auf Automatisierung von Datenstrecken z.B. zur Qualitätssicherung und natürlich auch Zeitersparnis. In diesem Zuge werden u.a. auch Analyseroutinen und Chartings automatisiert und so methodisch anspruchsvolle Marktforschung maximal schnell durchführbar.

Interrogare ist ursprünglich als Software-Anbieter für Befragungen gestartet, bietet aber mittlerweile Marktforschungsdienstleistungen für verschiedene Branchen an. Das ist ungewöhnlich, wo doch viele Unternehmen den entgegengesetzten Weg gehen wollen. Was ist das strategische Ziel für die nächsten Jahre?

Peter Wiegelmann: In meinen Augen ist diese Entwicklung nicht ungewöhnlich, zumal Technik leicht kopierbar ist. In diesem Bereich wird man einfach zu schnell überholt. Daher war unsere Entwicklung zur Full-Service-Marktforschung, die ja nun auch schon mit mehr als zehn Jahren wirklich lang zurückliegt, damals ein nur logischer Schritt. Denn was einen in der Marktforschung einzigartig macht, sind die methodische Kompetenz, die Fähigkeit noch so komplexe Herausforderungen der Kunden adäquat und individuell lösen zu können sowie eine hohe Beratungsqualität. Schließlich ist die Marktforschung ein People Business und gerade mit diesen Qualitäten eine gute Alternative zu Toolanbietern. Wir bei Interrogare werden daher immer weiter an genau dieser - in meinen Augen - zukunftsfähigen Verknüpfung arbeiten: exzellente Methodik, auf Basis schneller, qualitativ hochwertiger und automatisierter Abläufe, gepaart mit einer Top-Beratung.

Sie werden im Rahmen der WdM eine virtuelle Diskussionsrunde zum Thema "Quo vadis Customer Experience?" durchführen. Wie wird die Diskussion konkret ablaufen? Was erhoffen Sie sich davon?

Michael Lersch: Um schnell ins Thema zu finden, planen wir, allen Teilnehmern im Vorfeld einige Thesen und Fragestellungen zukommen zu lassen, zu denen sie sich schon einmal Gedanken machen können. Wir wünschen uns eine offene und lebendige Diskussion im exklusiven Kreis, bei denen die Teilnehmer erfahren, wie andere Unternehmen mit ähnlichen Herausforderungen Im Customer Experience umgehen. Je konkreter, je spannender! Wenn am Ende der Diskussion jeder das Gefühl hat, ein bisschen etwas gelernt zu haben, haben wir unser Ziel erfüllt.

Das zweite Event beschäftigt sich mit dem Thema "Demokratisierung von Daten". Wenn viele Daten im Unternehmen nutzen, hat das Vorteile; aber auch die Gefahr, dass unterschiedliche Nutzer die gleichen Daten ganz unterschiedlich interpretieren. Wie sollte man als Unternehmen mit diesem Problem umgehen?

Michael Lersch: Ja, das wird der Fall sein, da jeder in einem anderen Kontext zu den Daten steht. Ziel ist es vom zentralisierten Arbeiten mit Daten zu einem kollaborativem Arbeiten mit Daten zu gelangen und in Folge kollaborative Entscheidungen zu treffen. An einigen Stellen kann die Vielfalt der Interpretation einen großen Mehrwert für die Unternehmen liefern und den Horizont erweitern, da jeder sein Wissen und seinen Kontext mit einbringt und Informationen durch seine Augen sieht. Man muss sicherstellen, dass Entscheidungen nicht "im stillen Kämmerchen" getroffen werden, sondern Perspektiven durch Kollaboration ausgetauscht werden und kollaboratives Entscheiden verstärkt Einzug hält.

Über die Interviewpartner

Peter Wiegelmann, geschäftsführender Gesellschafter, Interrogare

Peter Wiegelmann: Nach erstem Marktforschungskontakt im Jahr 1992 bei Emnid, gründete er gemeinsam mit Martin Kühn 1999 Interrogare und damit einen der ersten Anbieter von Onlinebefragungen in Deutschland. Heute ist er als geschäftsführender Gesellschafter des Full-Services-Instituts insbesondere verantwortlich für Finanzen, rechtliche Themen und HR. Darüber hinaus engagiert er sich beim BVM und ist dort als Fachbeiratsvorsitzender, Kassenprüfer und im Programmkomitee des Kongresses tätig."

Michael Lersch, Managing Director DACH-Region bei Confirmit

Michael Lersch: Michael Lersch ist Managing Director DACH-Region bei Confirmit und dort schwerpunktmäßig für die technische Beratung und Umsetzung von CX- / EX-Projekten verantwortlich. Vor seiner Tätigkeit bei Dapresy und Confirmit war er 15 Jahre bei Kantar in unterschiedlichen Positionen tätig, die vielmals einen starken Bezug zum Experience Management hatten.

Hier können Sie sich für die Veranstaltungen der Woche der Marktforschung anmelden.

Redaktioneller Hinweis: Beide Interviews wurden unabhängig voneinander geführt und anschließend zusammengeführt.

cb

Veröffentlicht am: 11.09.2020

 

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