Dr. Paul Pottebaum im Interview: "Natürlich muss die Marge stimmen, wenn man in die Zukunft investieren will"

Dr. Paul Pottebaum, Geschäftsführer von Produkt + Markt, stand marktforschung.de zum Interview zur Verfügung. Befragt wurde er von Dr. Lars Watermann, dem Gründer und Geschäftsführer der auf Transaktionsberatung im Marktforschungsumfeld spezialisierten Watermann Agens GmbH in Hamburg.

2007 gilt als weiteres Wachstumsjahr für die Marktforschungsbranche. Setzt sich diese Entwicklung in 2008 fort?

Ich bin ganz sicher: Ja!

Produkt + Markt gehört seit Jahren zu den führenden mittelständischen Marktforschungsinstituten in Deutschland. Mit welchen Argumenten können Sie sich gegenüber den Global Playern im nationalen und auch im internationalen Wettbewerb durchsetzen?

1. Die Leistung muss stimmen. Was heute in der Marktforschung State of the Art ist, muss auch ein Institut unserer Größenordnung, welches sich auf die Fahnen "Komplettservice" schreibt, leisten können.

2. Wir nehmen für uns in Anspruch, dass wir in der Betreuung unserer Kunden – insbesondere gegenüber den großen Wettbewerbern – servicefreundlicher sind.
Heißt:

  • Individueller,

  • schneller,

  • problemorientierter.

3. Wir profilieren uns nicht über Masseninstrumente, sondern größtenteils über problemorientierte ad hoc-Marktforschung auch gegenüber nationalen und internationalen Großkunden, und zwar überall dort, wo es um zugeschnittene, individuelle Leistung geht.

Was erwarten Kunden heute von einem Marktforscher?

Was sie immer schon erwartet haben - Know-how, Problemorientierung, Kreativität, Servicebereitschaft.

Nach dem Verkauf der psychonomics AG ist davon auszugehen, dass Produkt + Markt als eines der größten inhabergeführten Institute Deutschlands noch gezielter im Akquisitions-Fokus der Global Player steht. Was spräche für und was gegen den Zusammenschluss mit einer der großen Institutsketten?

Wir haben ja einen großen Verhandlungsmarathon hinter uns. Es gibt verschiedene Gründe, warum es nicht zum Abschluss kam. Bei unseren Mitarbeitern jedenfalls breitete sich bei dieser Nachricht große Freude aus!
Natürlich spricht dafür, dass man in einem großen Verbund - vermutlich, genau weiß man das ja auch nicht - global besser aufgestellt ist. Dagegen sprechen, nach unserer Ansicht eher negativ ausfallend, Antworten auf folgende Fragen:

  • Für welchen Shareholder-Value wollen sie arbeiten?

  • Für welchen wollen sie abgestraft werden?

  • Wer hat schon Spaß daran, das auf kurzfristige Erfolge ausgerichtete und unglaublich aufwändige Reporting zu übernehmen?

  • Wie lange werden sie überleben und die Arbeitsplätze für ihre Mitarbeiter erhalten, wenn es der Zentrale einfällt, aus strategischen Gesichtspunkten den Standort zu schließen?

  • Wo bleibt die Motivation der Mitarbeiter, wenn diese ihre Inhaber nicht mehr zu Gesicht bekommen?

Jahrelang galt Produkt + Markt als ein kerngesundes, aber nur moderat wachsendes Institut, liegt ihr Fokus weiterhin auf Marge oder auf Marktanteil?

Natürlich wollen wir Marktanteile gewinnen bzw. wachsen. Das müssen wir auch, wenn wir für unsere Kunden, die bedeutende Marktstellungen verkörpern und global aufgestellt sind, glaubwürdig und leistungsstark bleiben wollen, aber genauso gut gilt auch Folgendes: Natürlich muss die Marge stimmen, wenn man in die Zukunft investieren will. Darüber hinaus muss Wachstum ja auch mit einer entsprechenden Mitarbeiterentwicklung einhergehen. Hier müssen vernünftige Kompromisse gefunden werden.

Wären eigene Zukäufe für Produkt + Markt eine strategische Option? Falls ja, in welchen Bereichen?

Mit Vorbehalt ja, wenn die Partner zu uns passen, der Preis stimmt und wir damit in Bereiche vorstoßen, die bisher bei uns noch eher rudimentär vorhanden sind (Branchen, Instrumente).

Wo sehen Sie Produkt + Markt im Jahr 2013?

Vielleicht in einem größeren Verbund, vielleicht in einem kleineren, möglicherweise aber auch unabhängig und selbstständig wie bisher.

Veröffentlicht am: 18.04.2008

 

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