"Bei uns werden auch bei kurzfristigen Projekten Signifikanzen berechnet und multivariate Verfahren eingesetzt" - Interview mit den ADVISE-Gründern Tanja Wulfert und Andreas Woppmann

Tanja Wulfert, Andreas Woppmann (ADVISE)
Tanja Wulfert, Andreas Woppmann (ADVISE)

Tanja Wulfert und Andreas Woppmann sind Inhaber und Gründer des jüngst am Markt gestarteten Instituts ADVISE. Im Interview mit marktforschung.de erörtern sie die Intention und die mit der Neugründung verbundenen Ziele und äußern sich zu aktuellen Marktgegebenheiten und Herausforderungen.

Frau Wulfert, Herr Woppmann, Sie haben Ende letzten Jahres ADVISE gegründet. Wie kam es zu der Neugründung und was ist die Idee hinter dem Unternehmen?

Tanja Wulfert: Wir waren zuvor viele Jahre beratend in verschiedenen Instituten tätig, Andreas auch als Leiter einer betrieblichen Marktforschungsabteilung. Durch diese Erfahrungen haben wir viel über die Wünschen und Herausforderungen unserer Kunden gelernt. Gerade in den letzten Jahren ist der Zeitdruck in vielen Unternehmen enorm gestiegen, weil Produkte und Dienstleistungen schneller - vor allem vor dem Wettbewerb - auf den Markt gebracht werden müssen.

Andreas Woppmann: Genau hier setzt ADVISE an. Wir liefern kompakte und fundierte Ergebnisse in kürzester Zeit. Als ehemaliger Marktforschungsleiter eines internationalen Markenartikelherstellers kann ich aus Erfahrung sagen, dass Marketing-Entscheidungen eine fundierte Grundlage benötigen. Das bedeutet jedoch nicht, dass dafür immer ein Report mit hundert Seiten oder mehr nötig ist, sondern Ergebnisse, die die wichtigsten Aspekte auf den Punkt bringen – am besten noch grafisch aufbereitet damit es schneller zu erfassen ist.

marktforschung.de: Nun ist der Marktforschungsmarkt in Deutschland weitgehend gesättigt. Warum sollen Kunden ausgerechnet bei Ihnen kaufen? Was können Sie besser als andere?

Wulfert: Für uns stehen Servicegedanke und maßgeschneiderte Lösungen an erster Stelle. Das ist genau die Stärke, die mittelständische Institute oft besser abdecken können als die großen Player. Als modernes und innovatives Unternehmen sind fokussierte Reports für uns Standard – denn heutzutage gibt es anschaulicheres als Textwüsten und Tabellenbände. Mehr hilft nicht immer mehr. Wir arbeiten mit stark visuellen Elementen und innovativen Präsentationsformaten wie z.B. Prezi-Videos. Da können wir Marktforscher uns einiges von Werbeagenturen abschauen. Denn auch Marktforschung kann sexy sein!

Woppmann: Außerdem bietet ADVISE neben klassischen Marktforschungstools auch Speed-Up! Tools an. Dadurch erhalten unsere Kunden Ergebnisse innerhalb von zwei Wochen und wenn es einmal ganz dringend ist sogar über das Wochenende. Die Zeit sparen wir hauptsächlich bei internen Geschäftsprozessen, die wir durch Lean Management optimiert haben. Die Standardisierungen interner Projektabläufe, parallele Prozesse, fokussierte Auswertungen, ein gutes Netzwerk an zuverlässigen Partnern, die für uns die Feldarbeit durchführen und kompakte Reports ermöglichen es, diese Projekte in deutlicher kürzerer Zeit anzubieten als es bisher möglich war. Dabei halten wir die Grundsätze der empirischen Forschung natürlich ein. Das nehmen wir beide sehr ernst, was ja auch unsere Lehraufträge an Hochschulen und Universitäten zeigen.

marktforschung.de: Mit Speed-Up! setzen Sie also – der Name sagt es bereits – auf Schnelligkeit bei der Generierung von Forschungsergebnissen. Vor dem Hintergrund aktueller Trends und Entwicklungen am Markt auch gerade im Hinblick auf branchenfremde Anbieter sicherlich kein falscher Weg. Allerdings: Wie stellen Sie die Datenqualität sicher?

Woppmann: Das ist eine sehr gute und wichtige Frage. Für uns als Empiriker mit starkem Bezug zur akademischen Forschung und zu Marktforschungsverbänden spielt die Sicherstellung der Datenqualität eine zentrale Rolle. Das wird ADVISE auch in Zukunft deutlich von anderen großen Anbietern wie Google & Co. unterscheiden. Wir garantieren bei Speed-Up! Projekten eine marktrepräsentative Quotierung  auf die wichtigsten Screening-Kriterien. Die Zeitersparnis kommt vor allem durch optimierte interne Geschäftsprozesse sowie die Fokussierung auf die wichtigsten Fragen.

Wulfert: Natürlich können wir bei Speed-Up! Projekten nicht so stark in die Tiefe gehen wie bei normalen Projekten. Das ist klar. Wir haben aber schon oft erlebt, dass Marktforschungsergebnisse nicht mehr rechtzeitig geliefert werden konnten und dann  Managemententscheidungen ohne jegliche Erkenntnisse aus Konsumentenperspektive getroffen werden mussten. Durch Speed-up! bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit, mit kompakten Umfragen die wichtigsten Kennzahlen valide zu erfassen, so dass auch zeitkritische Entscheidungen nicht ohne Marktforschung getroffen werden müssen.

marktforschung.de: Und wie wollen Sie sich – Stichwort "Echtzeitdatenerhebung" – gegen die großen internationalen Player behaupten?

Woppmann: Echtzeitdatenerhebung ist zurzeit in aller Munde, gibt es aber eigentlich schon länger. So können mittlerweile bei fast allen Panelanbietern Daten in Echtzeit verfolgt werden. Auch Google will verstärkt in die Echtzeiterhebung vordringen, in erster Linie jedoch als reiner Datenlieferant. Bei uns werden auch bei kurzfristigen Projekten Signifikanzen berechnet und Multivariate Verfahren eingesetzt. Und was die zeitliche Komponente anbelangt: hier befindet sich Speed-Up! mindestens auf Augenhöhe. Außerdem sehen wir unsere Aufgaben vielmehr darin, Daten zu interpretieren und daraus konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten. Diese Beratungsleistung wird von solchen Anbietern, zumindest mittelfristig, eher weniger kommen.

Wulfert: Auch Social Media Monitoring als Echtzeitdatenerhebung hat sich in den letzten Jahren etabliert und eignen sich aus unserer Sicht vor allem bei Marken-Reputationen im Netz oder als Inspirationsquelle. Bei konkreten Fragestellungen wie beispielsweise bei Konzept-, Produkt- oder Verpackungstests, bei denen oft auch noch nicht veröffentlichtes Material getestet wird, sehen wir nur bedingt Einsatzmöglichkeiten.

marktforschung.de: Neben Ihrem Schwerpunkt quantitative Forschung bieten Sie ja auch qualitative Methoden an. Wie sehen Sie das Zusammenspiel von beiden Ansätzen in den nächsten Jahren?

Wulfert: Ich selbst komme ja ganz klassisch aus der qualitativen Forschung und war in den ersten fünf Jahren fast ausschließlich für qualitative Studien verantwortlich. Das hat sich in den letzten Jahren bei mir etwas geändert, aber gerade im Innovations- und Optimierungsprozess sind qualitative Methoden aus meiner Sicht unerlässlich. Seit einigen Jahren hat die qualitative Onlineforschung, insbesondere Online-Communities, deutlich an Bedeutung gewonnen. Aus meiner Sicht eine tolle neue Möglichkeit, um noch näher an der Lebenswelt meiner Konsumenten dran zu sein, z.B. mit selbstgedrehten Videos, Schnappschüssen aus dem Supermarkt oder detaillierten Foren-Diskussionen.

Woppmann: Ich bin zwar von meiner Herkunft her sicher sehr quantitativ vorbelastet, aber als Betrieblicher war ich sehr wohl für beide Bereiche zuständig, auch wenn das qualitative Budget immer etwas kleiner ausgefallen ist. In den letzten Jahren haben wir gute Kombinationen aus beiden Methoden entwickeln und ausprobieren können. So ist die Auswertung von offenen Fragen und anderen Textelementen mittels Heatmaps, semantischen Netzwerkanalysen oder MDS doch schon etwas anderes als reine quantitative Häufigkeitsauszählungen. Je nach Fragestellung bieten wir beide Methoden an, da das aus unserer Sicht holistischere Ergebnisse liefert. Natürlich wissen wir, dass das nicht immer im Rahmen des Budgets liegt. Deshalb haben wir auch kleine Zusatztools, beispielsweise ein kleiner Omnibus nach einer Fokusgruppe oder im Fragebogen zumindest immer ein, zwei offene Fragen.

marktforschung.de: Was macht für Sie persönlich das Besondere  an der Marktforschung aus?

Woppmann: Die Projekte in der Marktforschung erwarten von einem ein hohes Maß an Flexibilität mit sich ständig verändernden Rahmenbedingungen. Mal kommen Testprodukte zu spät, die Inzidenz einer Zielgruppe ist anders als vermutet, die Feldbetreuung in exotischen Ländern muss schnell umstrukturiert werden, etc. Hier immer darauf zu reagieren und mehrere Optionen durchzuspielen, ist etwas was für mich persönlich den Reiz in der Marktforschung ausmacht.

Wulfert: Ich bin Marktforscherin aus Leidenschaft. Als Moderatorin treffe ich oft sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, die alle ihre eigene Meinung haben. Das sind sehr spannende Erfahrungen, auf die man sich jedes Mal neu einlassen muss. Genau das empfinde ich als persönliche Bereicherung und macht mich stets offen für Neues. Außerdem macht es mir Spaß, immer wieder neue Methoden auszuprobieren und weiterzuentwickeln.

marktforschung.de: Dabei wünschen wir Ihnen viel Erfolg! Frau Wulfert, Herr Woppmann, vielen Dank für das Gespräch!

Veröffentlicht am: 29.01.2014

 

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