GOR 16: Über Datenschutz, Start-ups und ein Berufsbild im Wandel

07.03.2016

Nach zwei Tagen GOR in Dresden fängt für viele Konferenzteilnehmer heute wieder der Alltag im Büro an. Doch die Reise nach Dresden hat sicher niemand bereut.

Diskussionsrunde unter dem Motto "Cool, ich bin Marktforscher?! Von hard facts, soft facts und einem Berufsbild im Wandel" (Bild: marktforschung.de)

Diskussionsrunde unter dem Motto "Cool, ich bin Marktforscher?! Von hard facts, soft facts und einem Berufsbild im Wandel" (Bild: marktforschung.de)


Schon während der Konferenz war zu hören, dass so mancher durchaus im Vorfeld überlegt hatte, ob sich der lange Weg denn lohnen würde – viele entschieden sich für die Reise und zogen ein positives Fazit: "Kurzweilig", "informativ", "Klassentreffen", "eine wichtige Veranstaltung für die Branche" – so lautete das Feedback von Konferenzteilnehmern.

Insgesamt bot die GOR eine gelungene Mischung, denn es gab sowohl Beiträge etablierter Marktforschungsinstitute und aus der wissenschaftlichen Perspektive als auch Input von Neugründungen und Start-ups der Branche. Die meisten eint die Erkenntnis, dass die Marktforschungsbranche zwar schon mitten in einem großen Wandlungsprozess steckt, dass aber auch die kommenden Jahre nicht ärmer an neuen Einflüssen und teilweise wohl großen Änderungen sein werden.

Show-Stopper Datenschutz?

Ganz im Zeichen anstehender Änderungen stand auch die Panel Discussion der GOR "The Big Show-Stopper: Online Research in the Stranglehold of Data Protection Regulation?". Andrea Schweizer, Rechtsanwältin der Kanzlei Prof. Schweizer, Dr. Thomas Rodenhausen, President von Harris Interacitve, und Kim Leonard Smouter, Government Affairs Manager der ESOMAR, setzten sich, moderiert von Horst Müller-Peters, Herausgeber von marktforschung.de, mit dem neuen Privacy-Shield-Abkommen auseinander. Unternehmen, die sie vertrete, so Rechtsanwältin Andrea Schweizer, würden alles daran setzen, den Datenschutzanforderungen zu entsprechen, dies sei allerdings mit einem großen Aufwand verbunden. Sie rief die Branche dazu auf, offensiver mit ihren Aufgaben in der Öffentlichkeit umzugehen, vielen Menschen sei zum Beispiel nicht klar, dass Autos nur deshalb ihren Wünschen entsprächen, weil im Zuge von Marktforschungsaktivitäten Kunden an der Gestaltung mitwirken würden.

Thomas Rodenhausen betonte unter anderem, dass die Datensicherheits-Aspekte nicht nur für die Online-Marktforschung wichtig wären, denn auch CATI-Daten würden digital verarbeitet, insofern spiele das Thema für die gesamte Branche eine große Rolle. In dem Zusammenhang betonte der ESOMAR-Vertreter die Tatsache, dass es im Grunde keine Chance gäbe, Daten ausreichend zu anonymisieren. Das Publikum verfolgte die Diskussionsrunde trotz des doch eher trockenen Gegenstands gespannt und brachte sich mit Beiträgen und Aspekten ein. Wir starten auf marktforschung.de in dieser Woche mit dem Dossier "Datenschutz in der Marktforschung", in dem wir aus verschiedenen Perspektiven das Thema weiter vertiefen werden.

 


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Neben vielen weiteren spannenden Themen des ersten Tages der GOR muss sicher auch die Runde unter dem Motto "Welcome to the future! Besser – Schneller – Effizienter. Start-up-Szene Marktforschung" erwähnt werden. Hier saßen Start-up-Vertreter, etwa Nicolas Scharioth, CEO von pollion, und Thomas Fandrich, COO von quantilope, auf der Bühne, die nicht unbedingt einen Marktforscher-Hintergrund haben. Und was so manchen Vertreter etablierter Institute erstaunt, wenn nicht gar erschreckt haben dürfte: Der eine oder andere Start-up-Chef verschweigt seinen Mitarbeitern lieber, dass sie in der Marktforschungsbranche tätig sind. Denn dies sei nicht unbedingt ein positiver Anreiz für die jüngere Generation.

Wenn die Branche über das eigene Berufsbild reflektiert

Mit diesem wichtigen Thema, wie sich die Branche selbst sieht und wie sie sich weiterwandeln wird, beschäftigte sich am zweiten Tag eine von marktforschung.de veranstaltete Diskussionsrunde unter dem Motto "Cool, ich bin Marktforscher?! Von hard facts, soft facts und einem Berufsbild im Wandel". Sabine Menzel, L’Oréal Deutschland, Svenja Prins, Happy Thinking People, Olaf Hofmann, SKOPOS und Stephan Teuber, GIM, tauschten sich durchaus kontrovers über die heutigen Anforderungen aus, die an Marktforscher gestellt werden. Die Teilnehmer, selbst seit Jahren überzeugte Marktforscher, beschrieben die Auswirkungen der Digitalisierungen und den damit einhergehenden Rollenwandel der Marktforscher, weg von einem Projekt-Forscher hin zu einem Navigator, Verdichter und Deuter. Ein spannendes Thema, das die Branche sicher auch in den nächsten Jahren noch weiter beschäftigen wird.

Wenn es denn ein Fazit der GOR geben kann: Da sich die Branche stetig wandelt und es Veränderungen in den nächsten Jahren eher zunehmend als weniger geben wird, ist es sicher wichtig und richtig, wenn hier Branchenvertreter als Vorreiter voranschreiten und agieren statt nur zu reagieren. Dieser Wandel ist aber wohl auch notwendig und unvermeidbar. Wichtig sind aber ebenso der immer wieder stattfindende Austausch und viele Diskussionen innerhalb der Branche und darüber hinaus – Themen und Diskussionsstoff drohen nicht zu versiegen.
Bis zur nächsten GOR also – spätestens.

dr

 

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