Von Claas Lübbert, Redaktionsleiter
Es ist ungefähr ein Jahr her, dass eine Meldung des ADM Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute e.V. für einiges Aufsehen sorgte: Erstmals überstieg die Zahl der Online-Interviews in Deutschland die der telefonisch durchgeführten Befragungen. Im Grunde sagt diese rein quantitative Betrachtung im Hinblick auf die zahlreichen Facetten und Spielarten der Markt- und Sozialforschung gar nicht allzu viel aus. Dennoch kann man zwei nicht unwesentliche Aspekte darin lesen. Erstens: Datenerhebung online durchzuführen ist für die Marktforschungsbranche vielfach zur Selbstverständlichkeit geworden. Zweitens: Dies zu erreichen, hat sehr lange gedauert.
Das Für und Wider von Online-Befragungen soll hier nicht Thema sein, sondern vielmehr die Tatsache, dass sich die Online-Marktforschung trotz ihrer eigentlich ja noch jungen Geschichte stets und immer wieder zahlreichen Herausforderungen gegenübersieht. Big Data und Social Media, Google und Facebook werden in diesem Zusammenhang gern auf die Agenda gehoben und haben den ein oder anderen schon zum Abgesang auf Online-Panels verleitet.
Doch wie sieht es im Arbeitsalltag eines Online-Marktforschers aus? Was bedeutet das sich ob der technischen Entwicklungen und Möglichkeiten permanent verändernde Kommunikationsverhalten für Sample Provider? Spielt der Preis eine größere Rolle als die Qualität der erhobenen Daten? Und worauf legen überhaupt die Kunden wert? Diesen Fragen ist die aktuelle Ausgabe des marktforschung.dossier gewidmet.
Datenqualität ist wichtig – dies ist nicht nur die Sicht der von uns zu dieser Thematik befragten betrieblichen Marktforscher. Olaf Hofmann von SKOPOS, der als Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Online-Forschung DGOF bei der Einführung der Access Panel Norm auf ISO-Ebene in der ISO-Kommission mitgewirkt hat, erörtert den aktuellen Stand bei den ISO-Zertifizierungen für Online Access Panels in Deutschland. Einen Erfahrungsbericht aus dem Alltag eines Unternehmens liefert Ulrike Preiss von Marketagent.com Deutschland, dem ersten nach ISO 26362 zertifizierten Panel-Anbieter im deutschsprachigen Raum.
"Turning fiction into the road ahead: the Local Innovation Panel of Deutsche Telekom" – mit diesem Beitrag konnten die Deutsche Telekom und FactWorks den Best Practice Award der diesjährigen GOR gewinnen. Hintergrund und Methodik dieses außergewöhnlichen Panels erörtern Dr. Henning Breuer, Mitja Wogatzky, Dr. Fee Steinhoff (Telekom Innovation Laboratories) und Dr. Julia Sauermann (FactWorks). Wie praktische Herausforderungen zu technischen und methodischen Innovationen führen, schildert auch Daniel Rieber von Interrogare in seinem Beitrag zum "Media Impact Panel" von Axel Springer.
Besondere Problemstellungen aus der Praxis erörtern Marc Smaluhn von Research Now, der sich dem Thema "Panelmortalität" widmet, sowie Christopher Morasch und Tom Wirth von respondi, die über die Grenzen und Möglichkeiten von Online-Forschung in der Generation 50plus geforscht haben. Christian Brieskorn von Consumerfieldwork schildert, wie sich das Geschäft für Panelanbieter in den letzten Jahren verändert hat und worin er die größten Herausforderungen sieht.
"Bargeld lacht", so Ansgar Gerling von panelbiz in seinem Artikel zum Thema "Incentivierung". Ob durch Geld eine "blöde Umfrage" zu einer vermeintlich guten wird, darüber berichtet schließlich unser fiktiver Panelist Philip-Maria Schmidt in seinem augenzwinkernden Erlebnisbericht "Aus dem Leben eines Panelisten". Tatsächlich Fiktion oder Realität? Machen Sie sich selbst ein Bild!
Welcher Aspekt aus dem Kaleidoskop der Beitrage bei Ihrer täglichen Arbeit auch immer die größte Rolle spielen mag – wir wünschen Ihnen eine interessante und vor allem anregende Lektüre und hoffen, mit dieser Ausgabe einen Beitrag zum Austausch und zur Diskussion über die Gewinnung von Daten im Internet leisten zu können.
Die Qualität der erhobenen Daten spielt aus Sicht betrieblicher Marktforscher die mit Abstand größte Rolle beim Einkauf von Panel-Dienstleistungen. Ebenfalls wichtig sind bereits gemachte gute Erfahrungen mit einem bestimmten Anbieter. Über den Preis hingegen trifft eigenen Angaben zufolge kaum ein betrieblicher Marktforscher die Entscheidung für oder gegen einen Sample-Provider. Dies geht aus einer Umfrage von marktforschung.de hervor, für die im Zeitraum vom 30.03. bis 12.04.2012 63 Marktforscher aus Unternehmen befragt wurden, die bereits Erfahrungen im Einkauf von Online-Felddienstleistungen haben.
Überwiegend positive Erfahrungen mit Panel-Dienstleistern haben immerhin 41 Prozent der befragten betrieblichen Marktforscher gemacht. Divergent sind die Erlebnisse hingegen für den mit 57 Prozent größten Teil der Umfrageteilnehmer. Von überwiegend negativen Erlebnissen konnten jedoch nur 2 Prozent berichten.
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Von Philip-Maria Schmidt*, Incentive-Jäger
(*Ähnlichkeiten mit tatsächlich lebenden Personen sind rein zufällig)
Ich gebe es zu: ich bin Incentive-Jäger. Die Vorstellung, mit der Teilnahme an Umfragen bequem von zu Hause aus Geld zu verdienen, finde ich ausgesprochen reizvoll. Und so bin ich mittlerweile bei 16 Panels angemeldet, die mich mehr oder weniger regelmäßig um meine Meinung bitten.
Die Aussicht auf den ein oder anderen Amazon-Gutschein oder gar Bargeld motiviert mich, also wie immer als erstes am Morgen: Kaffeekochen, Duschen, Rechner an, E-Mails checken. Ich sehe auf Anhieb: mindestens drei der acht Einladungen kann ich direkt löschen. Es gibt einfach ein paar Anbieter, bei denen kann man sich die Teilnahme einfach sparen. Entweder, man wird ewig nach persönlichen Daten gefragt und fliegt vor der eigentlichen Umfrage sowieso raus, oder man klickt sich durch die immer gleichen Fragestellungen, die sich so geringfügig unterscheiden, dass man vor Langeweile einschläft. Apropos Einschlafen: quietschbunte Aufmachungen, die mich eher an Comicserien für Kinder als an seriöse Marktforschung erinnern, brauche ich auch nicht unbedingt, um bei Laune gehalten zu werden…
Laune macht mir übrigens stattdessen, bei den Auswahlfragen, die mir am Anfang einiger Umfragen gestellt werden, so zu tricksen, dass ich doch teilnehmen darf, obwohl ich gar nicht zur Zielgruppe gehöre. Schließlich will ich ja meinen Bonus, ich bin ja Incentive-Jäger.
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