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06.08.2012:

Fallstricke für den Wohlstand: Österreicher empfinden EU-Krise als stärkste Bedrohung

Linz (Österreich) - Kurz vor Silvester berichteten 37 Prozent der Österreicher, dass sie mit Zuversicht in das laufende Jahr gehen, im April blickten 46 Prozent den kommenden zwölf Monaten mit Zuversicht entgegen, mittlerweile tun dies 48 Prozent. Eine fast gleich große Zahl von 47 Prozent der Erwachsenen ist entweder skeptisch oder besorgt. Aufgrund einer bis 1972 zurückreichenden Trendbeobachtung des IMAS verdeutlichen die aktuellen Umfragebefunde eine gedämpfte Stimmung, die aber frei ist von echter Krisenangst und insofern einen deutlichen Kontrast zu den düsteren Spekulationen der Wirtschaftsexperten bildet.

Nach Ansicht der Bevölkerung gibt es – von jeweils rund 60 Prozent  der  Erwachsenen  genannt – drei hauptsächliche wirtschaftliche Bedrohungen, nämlich die Folgen der EU-Krise mit ihrem Kernproblem Griechenland, die Korruption in Politik und Wirtschaft sowie die Verschwendung von Steuermitteln. Ein kaum geringeres Übel stellt für die Österreicher allerdings auch die Staatsverschuldung des Landes dar.

Auf dem fünften Platz der wirtschaftlichen Gefahrenskala steht nach Meinung nahezu der Hälfte der Bevölkerung die starke Zuwanderung von unqualifizierten Ausländern und Asylanten, gefolgt von der Warnung vor einer zu hohen Besteuerung der Bürger, einer zu großen Abhängigkeit Österreichs von der EU, einer zu teuren Bürokratie, einer zu geringen Kontrolle der Banken durch den Staat sowie dem Gewinnstreben der Manager. Fallstricke für den Wohlstand sind für die Bevölkerung allenfalls noch die wirtschaftliche Konkurrenz durch Billigpreisländer wie China oder Indien sowie die ungleiche Verteilung von Besitz und Einkommen.

Eine Reihe von weiteren Hinweisen machte deutlich, dass die Bevölkerung in vielen Belangen erheblich anders denkt, als es sich Experten, aber auch die Betreiber von Volksentscheiden vorstellen oder wünschen. Das gilt vor allem für jene Aspekte, die mit Reformen und Modernisierungen unseres Systems zusammenhängen:

Die soziale Wirklichkeit sieht so aus, dass kaum ein Viertel der Österreicher im zunehmenden Fachkräftemangel oder in den Mängeln unseres Bildungssystems eine Bedrohung des Wohlstands wittert; kaum ein Fünftel verweist auf die Schattenseiten einer Übersozialisierung, kaum ein Siebentel auf die Nachteile einer zu hohen Unternehmensbesteuerung.

Nur rund jeder Achte warnt vor einer zu geringen Attraktivität Österreichs als Wirtschaftsstandort, nur jeder Neunte vor einem veralteten Image der Republik, lediglich jeder Zehnte vor einem Manko an Forschungsfreudigkeit und Reformbereitschaft, oder vor zu großen Eingriffen des Staates in die Wirtschaft.

Die geringen Hinweise auf Wohlstandsgefahren hängen in einigen Fällen sicherlich auch damit zusammen, dass man ihnen wenig Realitätsnähe zuschreibt. Fest steht, dass nur ganz wenige Österreicher (7 Prozent), einerseits zu hohe Lohnforderungen der Gewerkschaft und andererseits zu große Freiheitsrechte der Unternehmen als Bedrohungen unseres Wohlstands brandmarken.

Alles in allem muss man zur Kenntnis nehmen, dass die Bevölkerung ein sehr geringes Verständnis für Strukturreformen hat, die der Zukunftsbewältigung dienen. Ihr Rezept für die Absicherung des Wohlstands beschränkt sich auf Sparsamkeit und fiskalische Redlichkeit. In der Diskussion über eine Demokratiereform kann daher nicht übersehen werden, dass bei einem Ausbau der direkten Demokratie auch die Unlust der Bevölkerung an notwendigen Veränderungen verstärkt in die Plebiszite einfließen würde.

Für die Studie wurden im Zeitraum vom 23.05. bis 06.06.2012 1.100 Personen statistisch repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren face-to-face befragt.

cl/IMAS International


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