Alles vernetzt? Die Marktforschung im Spiegel des World Wide Web
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Interview mit Prof. Dr. Christa Wehner
Im Interview mit marktforschung.de äußert sich Prof. Dr. Christa Wehner, Dekanin des Studienganges BW/Marktforschung und Kommunikationsforschung an der Hochschule Pforzheim, zu den Hintergründen des Projektes "Mafo-Web" und erläutert, welche Rückschlüsse sich daraus ziehen lassen.
marktforschung.de: Die Hochschule Pforzheim engagiert sich unter anderem durch das Projekt "Das Mafo-Web", aber auch durch das Kursangebot für das Thema Social Media Forschung. Was sind die Gründe dafür?
Prof. Christa Wehner: Eine Hochschule, die den Anspruch hat, den Nachwuchs für die Marktforschungsbranche auszubilden und die Absolventen fit für den Alltag als betriebliche oder institutionelle Marktforscher zu machen, kann sich diesem Thema nicht verschließen.
marktforschung.de: Sie gehen also von einer größeren Bedeutung der Social Media Forschung in der Zukunft aus?
Prof. Christa Wehner: Soweit ich weiß, gibt es noch keine Zahlen, die das Auftragsniveau von Social Media Forschung in Deutschland beziffern. Gefühlt wird Social Media Forschung immer wichtiger, es fehlen uns noch Werte, die dies untermauern. Die öffentliche Resonanz ist groß, unsere Studierenden kommunizieren völlig selbstverständlich im Netz, und auch ich gehe davon aus, dass das Thema für die Marktforschung wichtiger wird. Wohin die Reise gehen wird, kann derzeit auch kaum ein Experten sagen. Die Dynamik ist immens.
marktforschung.de: Ändert sich für Sie das Berufsbild des Marktforschers durch die Entwicklungen im Social Media Bereich?
Prof. Christa Wehner: Ja und Nein. Ich bin überzeugt davon, dass grundsätzliche Eigenschaften und Fähigkeiten wie Neugier, Methodenkenntnis, wissenschaftliches Arbeiten, Gründlichkeit, vernetztes und analytisches Denken, Mut zur Interpretation, Leidenschaft und die Fähigkeit Konzepte zu durchdringen und in Frage zu stellen auch in der Social Media Forschung außerordentlich wichtig sind und bleiben. Es geht ja auch in der Social Media Forschung darum, erhobenen Daten Sinn und Bedeutung zu geben, damit Marktforschung relevante Erkenntnisse für Unternehmen und Organisationen liefert. Flexibilität, Kreativität, Neugier und Einfühlungsvermögen sind für neue Felder und dynamische Entwicklungen besonders wichtig.
marktforschung.de: Wie kamen Sie denn auf die Idee, das Mafo-Web zu erstellen und wie wurde das Projekt umgesetzt?
Prof. Christa Wehner: Idee und Umsetzung verdanken wir Oliver Tabino von Q |, den wir als Lehrbeauftragten gewinnen konnten. Sein Forschungs-Team hat sich die Frage gestellt, wie es um die Social Media und Internet-Aktivitäten der deutschsprachigen Marktforschungs-Branche steht. Die Studenten des Social Media Forschungs-Seminars analysierten daraufhin unter Anleitung von Oliver Tabino unterschiedliche Kanäle und Plattformen, wie Marktforschungs-Blogs, Twitter, Facebook, Youtube und Xing. Sie stellten die Frage, inwieweit man in der Branche von einer Social Media typischen Dialogkultur ausgehen kann? Mit dem Webscanner von Steinbeis und dem linkfluence-Ansatz wurde schließlich das Web nach Marktforschungs-Websites durchforstet und in einer Art Landkarte grafisch dargestellt.
marktforschung.de: Was lernen wir denn aus dieser Landkarte der deutschen Marktforschung?
Prof. Christa Wehner: Die Webseiten und Blogs, die sich mit Marktforschung beschäftigen, bilden eine Art Kosmos, in dem Austauschprozesse stattfinden. Man erkennt besonders einflussreiche Webpräsenzen - vor allem Verbände und Medienseiten - , auf die sehr stark verlinkt wird oder die sehr stark auf andere Seiten verlinken.
marktforschung.de: Ist die Marktforschungs-Branche in den sozialen Medien angekommen?
Prof. Christa Wehner: Das kann man so pauschal nicht sagen. Die Branche hat Fahrt aufgenommen, aber Social Media Dienstleister- und Agenturen sind derzeit viel aktiver und besser vernetzt als die klassischen Marktforscher. Die Social Media Experten besetzen ihr natürliches Feld und gehen viel selbstverständlicher damit um. Es gibt definitiv noch Berührungsängste, und es scheint vielen Marktforschern noch nicht klar, was etwa ein Facebook-Account wirklich bringt.
Das "Mafo-Web" ist die Erhebung des Status Quo, und spannend wird sein, wie sich das Thema "Social Media" in der Forschung als Methode oder Tools entwickelt, aber auch, welche Auswirkungen das auf Organisationsstrukturen, Selbstdarstellung und den Dialog innerhalb der Branche haben wird.

