Alles vernetzt? Die Marktforschung im Spiegel des World Wide Web
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FAQs zur Karte
Frage: Warum zeigt die Karte nur das deutschsprachige Mafo-Web?
Antwort: Aus Zeit- und Kostengründen haben wir das deutschsprachige Web zum Thema Marktforschung untersucht.
Frage: Warum bin ich oder ist mein Blog oder die Website meines Unternehmens nicht auf der Landkarte?
Antwort: Das kann mehrere Gründe haben. Entweder, weil die Website nicht verlinkt ist und wir nur Webseiten erfassen, die verlinkt sind. Oder die Website war zum Zeitpunkt des Crawls technisch nicht erreichbar. Oder Ihre Website ist Flash programmiert und deswegen nicht vom Crawler erfasst. Oder wir haben die Seite aus inhaltlichen Gründen nicht aufgenommen, dazu ausführlich im Methodenteil. Aber auch hier gilt das Prinzip der "Kollaboration": Websites oder Accounts die ihres Erachtens fehlen, nehmen wir gerne beim nächsten Update auf.
Frage: Wieso stehen manche Punkte, also Websites außerhalb des Universums auf der linken Seite?
Antwort: Das sind Webseiten, die beispielsweise in einem Verzeichnis aufgeführt sind, aber die nicht gecrawled werden konnten. Wie oben erwähnt, kann es sein das dies aus technischen Gründen nicht möglich war (z.B. Flashprogrammierung oder dass zu oder von Seiten verlinkt wird, die nicht auf der Karte sind oder dass die Seite überhaupt keine Verlinkungen hat oder dass die Seite "under construction" war und beim Crawl nicht online war.
Frage: Wir haben ein Anbieterverzeichnis und da müssten viel mehr ausgehende Links sein wie auf der Karte zu sehen sind. Wie kommt das?
Antwort: Gerade bei den Medien und Verbandsseiten gibt es natürlich weit mehr Verlinkungen. Den Crawler kann man unterschiedlich programmieren. Unser Crawler sucht die ersten 100 Verlinkungen auf einer Seite. Entscheidend für den Einfluss in einer Community als beispielsweise Meinungsführer oder Beeinflusser sind vor allem die sogenannten inbound (eingehenden) Links. D.h. eine andere Website setzt bewusst einen Link, was einer Art Empfehlung gleich kommt. Zudem kann es sein, dass manche Links in der Realität bestehen, aber nicht auf der Karte sind. Das liegt daran, dass wir eine Art Sample gezogen haben und Seiten wie der Spiegel oder die WiWo nicht in der Karte sind. Insofern können auch keine Verlinkungen dargestellt werden.
Frage: Ist diese Karte dynamisch und aktualisiert sie sich in Echtzeit?
Antwort: Nein, die Karte ist ein Abbild des Status Quo September 2011. Die Karte kann jeder Zeit aktualisiert werden, wenn z.B. neue, relevante Akteure mit einer Webpräsenz dazu kommen (z.B. ein Mafo-Blogger)
Frage: Kann man das auch für andere Sprachen bzw. Länder machen?
Antwort: Das Prinzip ist auf alle Länder bzw. Sprachen übertragbar, jedoch wir der Aufwand natürlich größer, je mehr Länder man betrachtet.
Frage: Warum finde ich meine Facebookseite nicht?
Antwort: Weil wir diese genauso wie Twitter-Accounts nicht aufgenommen haben. Wir haben uns auf das sogenannte offene Web beschränkt. Twitter, Facebook und XING sind als Plattformen integriert, um zu sehen ob diese allgemein eine Rolle spielen und Links zum Thema Marktforschung empfangen und davon abgehen.
Frage: Warum werden in der Karte Links, bzw. Verlinkungen dargestellt?
Antwort: Verlinkungen sind sozusagen die Lebensadern von Communities im Web. Links bilden die Verbindungen zwischen den Knoten und formen aus losen Elementen ein Netzwerk. Links sind bewusst von Menschen gesetzte Verweise, demnach Akte sozialer Interaktion und Kommunikation. Eben deshalb ist das Internet nicht irgendein Netzwerk, sondern ein soziales Netzwerk.
Frage: Was genau ist der linkfluence Score?
Antwort: Der linklfuence Score gibt Aufschluss über den Einfluss der Webseite aufgrund der Zahl der Links, die andere auf diese Website setzen. Dadurch können wir eine Aussage über den Einfluss dieser Webseite in der Community machen.
Frage: Meine Seite hat einen Linkfluence-Score von 59, die eines Konkurrenten 63? Ist meine Website deswegen schlechter oder habe ich weniger Einfluss? Oder wird meine Seite von weniger Leuten besucht?
Antwort: Es finden keine Bewertungen in "besser" oder "schlechter" statt. Es werden auch keine Aussagen darüber getroffen, wie häufig ihre Seite besucht wird. Es werden keine Clicks gezählt. Grundsätzlich bedeutet ein höherer linkfluence-Wert höheren, theoretischen Einfluss und deswegen eine höhere Relevanz in einer bestimmten Community. Da das Internet dynamisch ist, spielt es keine so große Rolle ob der Wert von 59 auf 60 steigt, sondern interessant und aussagekräftig ist, ob eine Website oder ein Blog im unteren Drittel oder oberen Drittel liegt. Wenn z.B. meine Webseite einen linklfuence-Score von 10 hat, dann haben 90% der in der Karte erfassten Webseiten einen höheren Einfluss als meine Seite.
Methodischer Exkurs
Die Analyse sozialer Netzwerke ist ein innovativer Ansatz in der Kommunikationswissenschaft. Sie basiert auf der mathematischen Graphentheorie und stammt ursprünglich aus der Soziometrie. Analysiert werden die Muster sozialer Ordnung, also die Handlungsmuster der einzelnen Akteure, ihr Zusammenwirken, die Beschaffenheit der Handlungsstruktur und/oder des Netzwerkes an sich. Der Fokus liegt auf der Frage, wie Strukturen entstehen und sich entwickeln und inwiefern sich daraus Konsequenzen für menschliches Handeln ableiten lassen. Die Netzwerkforschung ermöglicht einen Blick auf den Zusammenhang zwischen den Teilen und dem Ganzen. Im Internet ergibt sich z. B. aus der Netzwerkstruktur eine bestimmte Aufmerksamkeitsverteilung und Selektionswahrscheinlichkeit von Informationen. Netzwerkstrukturen lassen sich in der menschlichen Kommunikation in vielen Erscheinungsformen finden. Einige grundlegende Aspekte sollen an dieser Stelle Erwähnung finden, da sie für unseren Ansatz des Samplings und Segmentierens wichtig sind.
So sind etwa in sozialen Netzwerken die Verbindungen pro Knoten (bzw. Person) nicht gleich verteilt. Das gilt auch für das gesamte Web. Manche Knoten weisen mehr Verknüpfungen auf als andere, etwa weil sie besonders viel auf andere Seiten verweisen (sogenannte Hubs) oder weil auf sie besonders viel verwiesen wird.
Der Soziologe Mark Granovetter hat in seinen Arbeiten die unterschiedlichen Funktionen von "starken" Bindungen (innerhalb des Netzwerkes) und "schwachen" Bindungen (aus den Netzwerken heraus) dargelegt. Indem man sie analysiert, lassen sich die Bindungsstrukturen und die Bindungsdichte sozialer Netzwerke erkennen und abbilden. Von anderen Forschern wurde gezeigt, dass manche Personen in sozialen Netzwerken über mehr Einfluss verfügen als andere (Stichwort: Meinungsführer). Im Internet lässt sich dieser Einfluss einer Website vor allem an der Zahl der sogenannten Inbound Links identifizieren, die auf sie verweisen. Inbound Links gelten als zentrale Größe für Einfluss im Web und sind auch die Grundlage des bekannten Page Rank Algorithmus von Google, der als anerkannte Währung für den Einfluss einzelner Websites im Web gilt. Untersuchungen zum Small World-Phänomen zeigen wiederum, wie wenige Schritte über verknüpfte Knotenpunkte hinweg nötig sind, um die Verbindung von einer beliebigen Person zu einer anderen beliebigen Person in einem sozialen Netzwerk (wie z.B. einem Land) zu beschreiben. Die so beschriebene Entfernung sagt viel über die Beziehung der jeweiligen Knoten im Netz aus. Daraus lassen sich Nähe bzw. Distanz von Elementen des Netzwerkes berechnen, natürlich auch für Websites im Internet.
Alle diese Aspekte sozialer Netzwerke lassen sich im Prinzip auch im Internet über die Erfassung von Knoten (hier: Websites) und ihren Beziehungen (hier: Links) untereinander herausarbeiten. Anhand solcher Analysen kann gezeigt werden, dass das soziale Netzwerk des Webs aus vielen sozialen Subnetzwerken besteht, die wir Communities nennen. Solche Communities sind grundlegende Strukturen des Webs und selbstgewählte Gruppierungen mit offenbar gemeinsamen Interessen, die sie verbinden. Als solche sind sie natürliche Segmente, die zu identifizieren und abzugrenzen ohne Zweifel großen analytischen Wert hat, ja im Sinne einer sachgerechten Analyse unverzichtbar sind.

