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24.05.2011:

Sind wir innovativ oder tun wir nur so?

Autor: Oliver Tabino

Keine Ahnung, ob das eine subjektive Beobachtung ist oder empirisch nachweisbar, aber die Zukunft der Marktforschung wird so heftig diskutiert, wie schon lange nicht mehr. Natürlich vor allem innerhalb der Branche, denn außerhalb unserer Branche dürfte das Thema Marktforschung ziemlich uninteressant sein. Das ist zwar schmerzlich fürs Mafo-Ego, aber nicht verwunderlich.

Wo geht’s denn hier zur Selbsterkenntnis?

Eigentlich geschieht es uns ja recht! Wir Marktforscher stehen unter Innovations-Druck. Nur, wer innovativ ist, wird überleben, zukunftsfähig sein und den Angriffen auf die Marktforschung aus anderen Branchen und Sektoren Stand halten oder gar für sich nutzen können. So wird gesagt, geschrieben, geposted, vorgetragen. Wieso soll es uns nicht anders ergehen wie dem Rest der Welt? Jahrzehntelang konnten wir (scheinbar) unsere eigenen Probleme verlagern auf andere, nämlich auf unsere Kunden. Alles haben wir getan, um von uns selbst abzulenken. Die meisten unserer Kunden befinden sich in einem dauerhaften Innovations-Hamsterrad. Marketer und Werber müssen immer und immer wieder Impulse schaffen, um die Aufmerksamkeit von potenziellen Kunden zu erhaschen. Produktentwickler und F&E-Abteilungen sollten am besten die Innovationspipeline für die nächsten 10 Jahre befüllt haben und stehen unter enormem Druck. Das Haifischbecken ist voll und wird immer voller: Trendgurus tummeln sich ebenso wie Marktforscher oder eben ganz neu die Crowdsourcer und Co-Creation-Anhänger. Aber: Das Allheilmittel wurde noch nicht gefunden. Die Blockbuster-Innovations-Planer mit 100%er Erfolgsgarantie gibt es nicht. Oder doch? Wenn ja, dann könnte man ja das Risiko einer erfolgsbeteiligten Entlohnung eingehen und nicht auf Festpreise setzen, aber das nur als Nebenidee.

Ketzerisch gesagt, eine Branche oder deren Unternehmen, die sich der eigenen Nabelschau verweigern, nicht imstande sind, selbstkritisch zu sein und sich nicht dauerhaft, als Bestandteil des genetischen Codes, um das Thema Zukunft, Veränderungen, gesellschaftlichen Wandel und seine Auswirkungen und Innovationen kümmern, hat versagt und seine Berechtigung verwirkt. Die Zukunft der Profession sollte meines Erachtens Dauerthema und nicht temporäres Schwerpunkt-Thema sein. Wer sind also die Olivettis der Marktforschung?

Also gut, Heilsbringer Innovation.

Themenschwerpunkte des diesjährigen BVM-Kongresses waren „innovative Instrumente, wegweisende Beispiele und komplexe Ansätze“. Im BVM Inbrief (Aprilausgabe) ist zudem der interessante Artikel „Innovation findet an den Systemgrenzen statt“, der sich ganz offensichtlich mit dem Thema „Innovation“ beschäftigt. Auf Basis der neuen Systemtheorie wird die Behauptung aufgestellt, dass Innovationen nur an den Systemgrenzen möglich sind. Wenn man dieses, zugegebenermaßen hier verkürzt dargestellte, Theorem weiterdenkt und ich es richtig interpretiere, dann könnte man die Frage stellen, inwieweit beispielsweise Verbände überhaupt in der Lage sind, wirklich innovativ zu sein. Oder zumindest als Innovations-Treiber und Förderer zu fungieren? Ähnliches würde dann für große Player aus der Branche gelten. Und, wie in vielen anderen Branchen werden ja innovative Unternehmen oder Ideen aufgekauft und nicht selbst entwickelt, weil eben die Organisation, die Institution sich mitten im System befindet und kaum Kontakt zu den Systemgrenzen hat. Das heißt für mich, nicht nur wir selbst als Instituts-und Betriebsmarktforscher, und Teil dieses Systems müssen uns ständig hinterfragen, sondern auch unsere Verbände, Medien und anderen Akteure. Wir alle sind dafür verantwortlich, dass Positives und Erhaltenswertes Bestand hat und Negatives oder Bedrohliches angegangen wird und dass es genügend Spielräume gibt, die das Austesten und Überschreiten der oben genannten Systemgrenzen erlaubt.

Inkrementalismus vs. Disruptive Ideas

Große Reden haben wir geschwungen (ich nehme mich selbst nicht aus) und über innovative Ideen schwadroniert. Aber was haben wir getan? Die 50. Conjoint-Variante vorgestellt. Oder das Design von Online-Fragebögen mit netten Gimmicks aufgehübscht? Oder Fragetechniken aus den unterschiedlichsten Bereichen der Psychologie adaptiert? Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, dann sind das keine bahnbrechenden, weltverändernden Innovationen, sondern Optimierungen auf kleinster Ebene. Marktforschung 2.1.1. auf die Ebene Marktforschung 2.1.2. gebracht. Für einen Paper-Award genug, aber um der Branche eine neue Ausrichtung zu geben oder neue Horizonte zu eröffnen, viel zu wenig.

Luke Williams beschreibt in seinem aktuellen Buch „Disrupt“ den Unterschied zwischen Optimierungen oder inkrementellen Innovationen und disruptiven Ideen. Solche Ideen überschreiten Systemgrenzen, sie stellen in ihrer Radikalität ganze Branchen, Sektoren oder allgemeiner gesagt Denkbilder in Frage und haben eventuell auch die Kraft, diese zu verändern. Im Moment fallen mir nicht so viele Ideen oder Innovationen in der Marktforschung ein, die diese Kraft entwickelt haben. Einige von Ihnen werden sagen: die Online-Forschung. Andere wiederum werden das Thema Social Media anbringen.
Es lohnt sich jedoch immer auch bei Hype-Themen genau hinzusehen, denn es lässt sich darüber streiten, ob so etwas wie Social Media Monitoring eine disruptive Idee ist und echte Systemgrenzen überwindet oder nicht. Und, ob wir uns innerhalb kürzester Zeit bereits im Stadium der Optimierungs-Innovationen befinden also immer mehr vom Selben machen und der Mehrwert für uns und unsere Kunden kaum erkennbar ist? Egal wie die Bewertung ausfällt, Social Media hält uns auf jeden Fall den Spiegel vor und konfrontiert uns mit einer entscheidenden Frage: Was ist unser Geltungsbereich heute und in der Zukunft? Welche Pfründe sind zu verteidigen und welche Systemgrenzen müssen wir mit breiter Brust erobern? Bringen uns Open Data Anwendungen und kostenlose Research-Tools an die Existenzgrenzen oder eröffnen sich dadurch neue Chancen?

Gerade wurde von Derwent Capital Markets der erste “social-media based Hedge Fund” aufgelegt. Angeblich mit 25 Millionen Pfund Kapital. Mit dem Ziel, basierend auf Twitter-Sentiment Analysen die Trading Strategie zu verbessern. Ist das nun eine Chance für Statistiker und Daten-Modellierer oder eine Gefahr? Gibt es neue Wertschöpfungs-Ketten für die Markt- und Sozialforschung? Wo gibt es Chancen und Möglichkeiten? Wo stehen wir uns als Branche selbst im Weg? Wo können wir unsere Kompetenzen sinnvoll einbringen und am besten noch kapitalisieren? Wo sind andere besser? Wo könnte es weh tun? Und eine große Frage: Wo und wie könnten Markt- und Sozialforscher die Welt verändern?

Eines dürfte klar sein. Sich an die Systemgrenzen zu begeben, bedeutet immer Neuland zu betreten, den gewohnten Grund zu verlassen, Veränderung zuzulassen, Risiken einzugehen und Kontinuität aufzugeben. Das ist nicht immer einfach. Besonders nicht für starre Organisationen. Wenn wir als Branche diesen Weg beschreiten, dann werden wir Fehler machen und aus diesen lernen. Dann werden wir streiten müssen, um uns wieder zu vertragen (oder nicht). Dann werden wir uns immer und immer wieder herausfordern müssen. Dann werden wir aber auch eine Generation von Marktforschern brauchen, die querdenken, die Verantwortung übernehmen und keine Risiken scheuen.

Der Umgang mit Social Media lehrt uns noch etwas Wichtiges: Social Media bedeutet nämlich immer wieder eine Art von Kontrollverlust. Diesen werden wir mit Sicherheit in Zukunft noch häufiger erleben. Und wir werden lernen damit umzugehen oder Kontrollverlust sogar zu genießen und als Chance zu begreifen.

Deswegen gilt für mich mehr als je zuvor: I love Mafo!


Kommentare und Bewertung


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Florian, 25.05.2011:
Vielen Dank für diese sehr lesenswerte Kolumne!

Ich würde fast vermuten, dass die basalen Anforderungen an unsere Methoden (Verlässlichkeit, Vergleichbarkeit, Reliabilität) per sé innovationsfeindlich sind. Das kann man praktisch erfahren, wenn Marktforscher ihre Methoden umstellen möchten - sagen wir von CATI auf online. Hier merkt man, wie beharrlich eine absolute Vergleichbarkeit der Ergebnisse erwartet wird und wie unbeholfen man mit der Tatsache umgeht, dass die Methode immer auch ihr Ergebnis beeinflusst.

Methodisches Neuland wird in der Marktforschung dagegen meist erst mit dem Auftreten neuer Kommunikationsmedien betreten. Dann ist die Marktforschung aus meiner Sicht aber weniger aus sich selbst heraus innovativ, als deshalb, weil der Innovationsdruck von Außen steigt. Das entspricht übrigens auch der systemtheoretischen Vorstellung, dass sich Systeme an ihre Umwelt anpassen.

Wenn es in der Marktforschung also kaum Innovation gibt, würde ich das nicht als Problem, sondern eher als Diagnose nehmen. Provokativ formuliert: Vielleicht bezieht die Marktforschung am Ende sogar ihre Kraft daraus, nicht jedem Trend nachzugeben. Ist nicht unbedingt sexy, aber darum geht es ja auch nicht - oder etwa doch?
Peter Mayer, 25.05.2011:
Vielen Dank für Ihre sehr gute Kolummne.
Lieber Herr Tabino.

Sie haben in einem wahrscheinlich völlig recht. Innovationen kommen von den Systemgrenzen her. Sie werden zuerst wenig beachtet, schlüpfen durch die Reusen herkömmlicher empirischer Marktforschungsverfahren mit ihren basalen Anforderungen (Verlässlichkeit, Vergleichbarkeit, Reliabilität) hindurch. Die herkömmlichen Forschungsverfahren messen, pointiert gesagt, nur das, was wir ohnehin in den Grundzügen schon kennen.
Neues, uns vorher noch wenig Bekanntes können hypothesenprüfende Verfahren beispielsweise wenig messen, überprüfen, weil die Hypothesen noch nicht vorhanden oder zu ungenau sind.

Ich selbst bin von der klassischen Forschung über hermeneutische Ansätze zu explorativ-heuristischen, also zu endeckenden Verfahren gekommen.
Zu Zeit arbeite ich in der Hamburger Forschungswerkstatt für Dialogische Introspektion um Prof. Gerhard Kleining und Prof. Harald Witt mit.
Unser Ziel ist die Wiederbelebung und Weiterentwicklung der klassichen Würzburger Methode der Introspektion entwickelt zu beginn des 20. Jahrhunderts um Oswand Külpe, Karl Bühler, Karl Marbe und Otto Selz.
Wir haben dieses Verfahren zu einer Gruppenmethode weiter entwickelt. Mit unserer Gruppenmethode konnen wir qualitativ alle erlebbaren Vorgänge, also innere psychische Abläufe bezogen auf einen äußeren Reiz, wie z.B. eine Mediendarbietung oder eine Raumerfahrung (real oder virtuell im Internet) oder innere vergangene Erfahrungskomplexe qualitativ untersuchen.

Möglicherweise wäre diese Dialogische Introspektion als Gruppenmethode eine Innovation für die qualitative Marktforschung, insbesondere wenn noch neue Erfahrungsräume wie das Internet oder online social media, die auch eine Form des Sozialraums darstellen, erforscht werden sollen.
Christoph Irmer, 26.05.2011:
Hallo Oliver,
vielen Dank für diese Kolumne! Sehr lesenswert und gewohnt interessant. Ich muß allerdings gestehen, dass ich mich auch in Florians Kommentar wiederfinde. Vielleicht ist Marktforschung (unbestritten der notwendigen brancheninternen Änderungen und Anpassungen) ja sowas wie die verlässliche Konstante, auf die zurückgegriffen wird, wenn man Sicherheit und Vertrauen will. Ähnlich wie ein väterlicher Rat: nicht immer super innovativ, aber durch (Lebens-)Erfahrung, Wissen und Weitsicht doch meist sehr hilfreich.
Christian, 26.05.2011:
Vielen Dank für den interessanten Beitrag, Herr Tabino! Ich muss Florian zwar auf der einen Seite Recht geben - wir sind auf konstante Erhebungs- und Testmethoden angewiesen um überhaupt eine verlässliche Vergleichbarkeit zu garantieren. Aber auf der anderen Seite ist es ja eben genau das, was bei Einsatz der etablierten Methoden (ich zähle hierzu bereits auch ganz explizit die Online-Markforschung) zunehmend schwieriger bzw. oft schon unmöglich ist.
Zum einen wird das durch eine - oft durch Realitätsverlust geprägte - Kundenseite verstärkt, weil hier offenbar kein Gefühl und/oder Verständnis dafür mehr herrscht was machbar ist und was nicht. Zum anderen scheitern wir teilweise grandios an unseren eigenen Ansprüchen wenn es um Reproduzierbarkeit der Ergebnisse oder um die Vorstellung von der Erreichbarkeit (manchmal gar der Existenz) unserer Wunschzielgruppen geht.
Ein Umdenken kann meinem Erachten nach nur erfolgen, wenn wir uns dem Offensichtlichen stellen. Den Beschränkungen, der Frage nach unseren Datenquellen, den Probanden: welche Motivation treibt Menschen immer wieder dazu 30 minütige Fragebogen geduldig, ehrlich und gründlich auszufüllen und sich durch scheinbar unendliche Schleifen in elektronischen Fragebögen zu klicken?
Und wie lesen wir dann diese Ergebnisse? Wie bereiten wir sie auf und welche sogenannten 'Insights' generieren wir daraus für unsere Kunden? Ist es denn tatsächlich heute noch möglich Daten aus lediglich einer Quelle allein durch deren Analyse und Interpretation zu einem für Kunden so unentbehrlichen Instrument zu formen, dass wir bereits allein damit unsere Existenzberechtigung formulieren?
Eine echte MaFo 2.0 ist sicherlich komplexer und muss nicht nur neue Erhebungs- und Interpretationsmethoden beinhalten, sondern auch die Frage nach der Vernetzung der Daten und Ergebnisse zulassen, das genau ist ja was Social Media so interessant für unsere Kunden macht.
Ist denn nun aber eine solche Profilierung, Segmentierung und eben auch Transparenz der Befragungspersonen dann noch mit den hehren Zielen und Vorstellungen der klassischen Marktforschung vereinbar? Ist es uns Marktforschern denn nicht eben nur dann möglich den erwarteten Mehrwert für unsere Kunden zu generieren, wenn wir es schaffen (existierende) Methoden geschickt miteinander zu Verknüpfen? Und wer wird in 5 oder 10 Jahren noch an halbstündigen Befragungen ‚nur so zum Spaß‘ mitmachen?
Ich denke wir müssen uns all diesen Fragen stellen ohne die zum Teil sicher schmervollen Antworten zu scheuen, nur dann haben wir eine Chance MaFo 2.0 zu erleben. Interessant wäre das allemal!
Holger Geißler, 27.05.2011:
Lieber Herr Tabino!
Sie haben sicherlich nicht unrecht.
Social Media ist nicht die Antwort. In den Hedge-Fonds würde ich sicher nicht investieren. Auch wenn alle Deutschen irgendwann aktiv in einem Netzwerk sind, werden viele Fragen - weil eben nicht gestellt - unbeantwortet bleiben. Und es wird immer eine spitze Zielgruppe sein, die über Marken, Unternehmen und Produkte im Netz spricht. Die Marktforschung wird auch in Zukunft Menschen fragen müssen, wenn sie wissen möchte, wie die Allgemeinheit denkt.
Das große Hype-Thema für uns sollte sein, wie wir auch in Zukunft sichern können, dass Menschen uns gerne ihre Meinung sagen. Unser Rohstoff sind Meinungen. Wenn diese Quelle versiegt, wird es schwierig für die Zunft. Aber noch können wir viel dafür tun, dass es nicht so weit kommt. Und da sind sicherlich Innovationen gefragt. In die Richtung wurde mit dem "Tag der Marktforschung" - wenn auch kein innovativer - aber zumindest ein erster Schritt getan.
Dr. Olaf+Wenzel, 27.05.2011:
Innovationen hier, Innovationen da! Die ganze Branche scheint auf der Suche nach dem Heiligen Gral (=Innovation!!!), und das nun schon seit Jahren. Und natürlich schwebt über all dem ein bedrohliches Weltuntergangsszenario! Hat was von den Rittern der Kokosnuss!

Mal ganz im Ernst: Welche der Innovationen der letzten Jahre oder Jahrzehnte, die unsere Welt wirklich dauerhaft verändert haben, waren denn als „Innovation“ geplant? Facebook ... hat Zuckerberg erfunden, weil er seine Chancen beim Dating verbessern wollte. Das WWW ... hat Tim Berners-Lee erfunden, weil er im CERN der Datenflut Herr werden wollte. Dass Internet ... hat sich das Pentagon ausgedacht, damit seine Kommandostruktur einen potenziellen Atomkrieg übersteht. Selbst wenn der eine oder die andere schon frühzeitig das weltbewegende Potenzial der Erfindung erkannt haben mag - die Motivation zur Erfindung lag nicht in einem „Ich will jetzt mal ganz schrecklich innovativ sein!“ begründet. Der Zufall ist nicht planbar - das sollten wir als Marktforscher eigentlich wissen.

Vielleicht geht es ja nur mir so, aber ich bin zunehmend genervt von selbsternannten Social Media Experten, eitlen Gurus des Web 2.0, die aufgeregt verkünden, Social Networks veränderten die Welt!!! Und deshalb müssten wir uns gefälligst auch verändern!!!! Sie sagen zwar nicht wie - weil sie natürlich auch keine Ahnung davon haben, was wir eigentlich machen - aber egal: Hauptsache, die Welt steht Kopf (und sie können sich den Sprit für ihren schicken Sportwagen leisten)!

Sorry Jungs, aber das ist nicht mein Job! Mein Job ist es, Fragen zu beantworten. Fragen, die meine Kunden sich stellen und auf die sie zu Recht eine seriöse Antwort erwarten. Manchmal liegt die Antwort auf der Hand. Manchmal reichen einfache, bewährte Methoden, um die Informationen zu liefern, die gebraucht werden. Manchmal muss man neue Wege gehen - vielleicht sogar etwas Neues erfinden (= kreativ und innovativ sein!). Aber unterm Strich bestimmt immer noch die Frage die Methode - und nicht umgekehrt!
Petra Fetzer und Andrea Wirth, 31.05.2011:
Vielen Dank, Herr Tabino (Oliver), für die Erwähnung unseres Artikels im „bvm inbrief“ in Ihrer Kolumne und damit Ihren Beitrag zur Klärung unserer Position.

Wir stimmen ihren Ausführungen insofern zu, dass die Marktforschung außerhalb unserer Branche als eher uninteressant wahrgenommen wird. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Umsetzung der Marktforschung in den Unternehmen hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt. Während unserer langjährigen Tätigkeit in der betrieblichen Marktforschung / Institutsmarktforschung / als Inhouse-Trainerin hatten wir ausreichend Gelegenheit, dieses Phänomen aus verschiedenen Perspektiven zu beobachten.

Die Systemtheorie liefert einleuchtende Erklärungen dafür, wann und unter welchen Bedingungen Informationen in Anpassungsleistungen (= Innovation) umgesetzt werden. Zugegebenermaßen erschließt sich die Systemtheorie nicht auf den ersten Blick.

Es ist vor allem notwendig zu verstehen, dass dabei der Mitarbeiter mit seinen multiplen Rollen und Beziehungen sowie seiner einzigartigen Perspektive sowohl einen Teil der Umwelt der Organisation als auch die Systemgrenze darstellt, über die Innovation in eine Organisation hineingetragen werden kann.

Gleichzeitig verfügen Organisationen über formale Strukturen, die einerseits unabdingbar für die Funktionsfähigkeit sind, aber gleichzeitig von außen kommendes Wissen häufig blockieren, unter anderem Erkenntnisse aus der Marktforschung. Unser Anliegen ist es nicht nur, Marktforschung zu betreiben, sondern gleichzeitig die Umsetzung der Resultate in den Unternehmen zu fördern, und damit die Relevanz der Marktforschung in den Unternehmen zu steigern.
Christian Dössel, 06.06.2011:
Diese Kolumne ist aus mehreren Gründen äußerst interessant. Zum einen stimme auch ich sehr damit überein, dass es unserer Branche an Innovationen fehlt (wie auch immer die jetzt entstehen können oder dürfen).

Wie wäre es dann mal mit einem tieferen Blick auf uns selbst? Wir begleiten Innovationen, sind von mir aus Change Agent, Innovation-Scout oder Insight Miner. Aber es fällt uns so schwer unsere eigene Zunft zu innovieren, jenseits von Tools, Namen und Job-Titeln.

Selbsterkenntnis, das ist das Thema, hier stimme ich vollkommen überein. Ohne Selbsterkenntnis keine Verbesserung, wer sollte das eigentlich besser wissen als wir? Warum dann nicht mal die Methoden an uns selbst anwenden?

Zum anderen lohnt es sich meiner Meinung nach einmal die Frage zu stellen, zu welchem Zweck es denn in der Marktforschung Innovationen geben muss oder soll. Und da fällt mir als erstes ein, dass Innovationen für die eigene Positionierung nicht das schlechteste sind. Und natürlich geht es dabei auch um Coolness und Sexy-Sein (einige Kommentare hier sind der beste Beweis dafür ;-) )

Je schwerer wir es uns jetzt machen die Herausforderung als Chance zur Positionierung zu begreifen, desto weiter wird unser Weg sein aus der "operativen Ecke".
Der Wettbewerb ist hart und sowohl bei der Erhebung von Daten genauso wie bei der Zuweisung von Bedeutung sind wir längst nicht mehr alleine.

Die Diskussion, die sich an Social Media im Zusammenhang mit Marktforschung in den letzten Jahren entzünden (und ich finde die wirklich toll), sind nur die Spitze des Einsbergs.
Die wahre Geschichte, die uns hier erzählt wird, ist die, dass wir derzeit vielleicht unfähig aber sicherlich zu langsam sind, um uns den veränderten Rahmenbedingungen und Anforderungen zu stellen. Da sind andere Professionen schneller als wir…

Reaktanz sowie Glaube und Hoffnung, der Social Media Hype geht schadlos an uns vorbei, sind sicher ebenso falsch wie eine verzweifelte Heilssuche im Netz.

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