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10.02.2010:

Online-Delphi: Der Blick in die Zukunft am Beispiel der Studie "Zukunft und Zukunftsfähigkeit der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien"

Autoren: Robert A. Wieland (Geschäftsführer TNS Infratest GmbH), Dr. Malthe Wolf (Senior Consultant InCom / Technology Sector), Stefanie Sagl (Consultant InCom / Technology Sector) – TNS Infratest

Globalisierung und technischer Fortschritt führen dazu, dass sich Entwicklungszyklen zunehmend schneller vollziehen. Für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind sie so immer schwerer einzuschätzen. Hier setzt die Forschungsmethode des Delphi an, um Trends von morgen abzuschätzen und wertvolle Grundlagen für den inhaltlichen Diskurs bereit zu stellen.

Insbesondere die Geschwindigkeit, mit der neue Informations- und Kommunikationstechnologien heute unsere Welt verändern, macht eine Abschätzung von Entwicklungen mit einem Zeithorizont von zehn oder gar 20 Jahren immer komplexer. Die Delphi-Methodik ist dabei ein Instrument der Zukunftsforschung, die es ermöglicht, auf Basis einer Expertenbefragung, Einblicke in zukünftige Innovationen und Trends zu erhalten. Beispielhaft liefert eine Delphi-Studie – durchgeführt von TNS Infratest im Auftrag von Münchner Kreis, EICT, Deutsche Telekom, TNS Infratest sowie Siemens, Vodafone, Focus, VDE, SAP, Alcatel-Lucent Stiftung und IBM – aktuelle Erkenntnisse über die "Zukunft und Zukunftsfähigkeit der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien".

Die nach dem antiken Orakel benannte Delphi-Methode wurde Mitte des letzten Jahrhunderts in den USA entwickelt. Bei Delphi-Befragungen werden Experten um ihre Einschätzungen zukünftiger Entwicklungen gebeten. Die Befragung verläuft in der Regel über einen mindestens zwei- häufig auch mehrstufigen Prozess. Ab der zweiten Runde (sogenannte "Welle") werden den Experten die Ergebnisse der jeweils vorangegangenen Runde als Feedback mitgeteilt und gebeten, auf Grundlage dieser Ergebnisse erneut ihre Einschätzungen abzugeben. Eine wichtige Annahme der Delphi-Methode ist daher, dass die Experten in der Lage sind, ihre Einschätzungen neuerlich auf den Prüfstand zu stellen, d.h. mögliche eigene unsichere Schätzungen aufgrund des Feedbacks anzupassen, jedoch sichere Schätzungen unverändert beizubehalten.

Im Falle der Studie zur "Zukunft und Zukunftsfähigkeit der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien" wurden in zwei aufeinanderfolgenden Wellen im April/Mai sowie Juni/Juli 2009 bis zu 550 Experten befragt.

Im Vorfeld wurden die Experten gebeten, sich auf einer eigens eingerichteten Website für die Befragung zu registrieren und die eigene thematische Expertise zu hinterlegen. Anschließend erhielt jeder Experte einen personalisierten Zugangslink zum Online-Fragebogen, mit dem er die Befragung jederzeit unterbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen konnte. Von 795 angeschriebenen Experten nahmen an der ersten Welle 551 Experten teil, an der zweiten noch 439. Mit 69 Prozent in der ersten und 80 Prozent in der zweiten Welle wurde eine ausgesprochen gute Rücklaufquote erzielt.

144 Thesen und Szenarien zur Zukunft der IKT und Medien

Der Studie vorausgehend wurde mittels Desk-Research die Situation der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und Medien 2008 abgebildet und für die nahe Zukunft – bis 2012 – hochgerechnet. Anhand dieser Ergebnisse wurden für die Delphi-Studie Thesen formuliert, die die Entwicklung und Implikationen heute bereits vorhandener Technologien in die Zukunft projizieren. Zusätzlich wurden von den Projektpartnern und von ihnen benannten IKT- und Medienexperten weitere Thesen zu zukünftigen Trends und Innovationen eingereicht. Insgesamt ist so ein Pool von über 300 Zukunftsthesen entstanden. In Workshops mit den projektbegleitenden Expertenteams wurden aus diesem Pool 144 Thesen und Szenarien ausgewählt bzw. formuliert und zu einem Thesenkatalog zusammengestellt. Jeder Experte erhielt seiner fachlichen Expertise entsprechend maximal 75 Thesen pro Welle. In der zweiten Welle wurden, um den Befragungsaufwand in Grenzen zu halten, den Experten nur noch die Thesen erneut vorgelegt, über die in der ersten Runde kein eindeutiger Konsens erzielt werden konnte.

Befragung von 551 internationale Experten

Das Expertenpanel setzte sich aus Vertretern der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen, die aufgrund ihres Wissens und ihrer Erfahrung persönlich aus den Netzwerken der Projektpartner Münchner Kreis, EICT, Deutsche Telekom, TNS Infratest sowie Siemens, Vodafone, Focus, VDE, SAP, Alcatel-Lucent Stiftung sowie IBM und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) rekrutiert wurden. Zusätzlich wurden Mitglieder der Gruppe DNAdigital um ihre Meinungen und Einschätzungen gebeten. Diese Gruppe setzt sich vorwiegend aus deutschen IT-Entscheidern und Digital Natives zusammen.

In der bereits erwähnten Vorab-Registrierung wurden die Experten gebeten, in einer Selbsteinschätzung anzugeben, in welchen Themenfeldern rund um IKT und Medien sie selbst ihre persönliche Expertise als besonders hoch einschätzen. Ein Teil der Thesen wurde daraufhin allen Experten vorgelegt – insgesamt 36 thematisch übergeordnete Kernthesen –, bei der Mehrzahl der Thesen wurden jedoch nur die Befragten um ihre Einschätzung gebeten, die für dieses Themenfeld eine Expertise angegeben hatten. Zusätzlich wurde vorab der Lebensmittelpunkt der Experten erfasst. Ausgehend davon wurden die Experten bei Thesen, bei denen der länderspezifische Hintergrund für die Untersuchung von Bedeutung war, jeweils zu dem dort angegebenen Land befragt, z.B. zur zukünftigen Verbreitung von IP-basiertem Fernsehen in Italien (Deutschland usw.), wenn Italien (Deutschland usw.) als Lebensmittelpunkt angegeben wurde. Darauf basierend wurden die Experten für die Ergebnisaufbereitung nachträglich in fünf Gruppen zusammengefasst (Experten für Deutschland, für Europa, für die USA, weitere internationale Experten sowie DNAdigital).

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