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Artikelserie "Trend- und Zukunftsforschung" - Teil 1: Auf der Suche nach Perspektiven – wie die Zukunftsforschung neue Wege in die Welt von morgen findet
Eine Expeditionsserie von Oliver W. Schwarzmann, Vordenker & Publizist
Wie geht es weiter? …
Auf was müssen wir uns einstellen? …
Worauf wird es ankommen? …
…. die Fragen nach der Zukunft sind so alt wie die Menschheit und sie sind gerade jetzt in bewegten Zeiten von besonderer Bedeutung. Vordenker und Publizist Oliver W. Schwarzmann, ehemaliger Banker und seit über 15 Jahren mit ökonomischen Zukunftsfragen beschäftigt, beschreibt in dieser Artikelserie die Möglichkeiten, Chancen und Methoden der Trend- und Zukunftsforschung. Er zeigt die Hintergründe der Analyse, kommentiert den vielsagenden Blick auf Trends, beleuchtet ihre Wirksamkeit bis zum tatsächlichen Eintrittspotenzial von Prognosen – und beantwortet dabei Fragen wie: "Was kann die Trend- und Zukunftsforschung wirklich liefern?", "Welche Trends sind wichtig, welche nicht?", "Wie lassen sich neue Wege finden und Innovationen entwickeln?" und nicht zuletzt: "Sind Vorhersagen ein Instrument für kommende Unternehmenserfolge?"
Teil 2 "Auf was wird es ankommen? Wie die Trend- und Zukunftsforschung Wirtschaft und Unternehmen nützt" und Teil 3: "Die Tendenz des Erfolgs – wie die Trend- und Zukunftsforschung neue Märkte macht" folgen in Kürze
Teil 1: Auf der Suche nach Perspektiven – wie die Zukunftsforschung neue Wege in die Welt von morgen findet
Die Trend- und Zukunftsforschung ist – vor allem im Hinblick auf die traditionellen Natur- und Wirtschaftswissenschaften – eine recht junge Forschungsdisziplin. Wenngleich die Suche nach der Entschlüsselung der Zukunft so alt ist wie die Menschheit. Kein Wunder: Alle unsere Vorhaben und unser Handeln sind auf die Zukunft gerichtet. Das kommt nicht von ungefähr: Das menschliche Gehirn selbst agiert permanent in der Zukunft – bevor wir etwas tun, sind in unserem Zentralorgan bereits jede Menge Aktivitäten im Gange. Ein notwendiger Mechanismus: Würden wir nicht vorausschauend denken und handeln, torkelten wir vermutlich völlig orientierungslos und total unvorbereitet durch die Welt. Doch gerade der Begriff der "Zukunftsforschung" löst gemischte Gefühle und Einschätzungen aus, ist das Zukünftige in seiner offensichtlichen Nicht-Existenz, in seiner sich daraus ergebenden Vagheit und Optionalität ja nur bedingt erforschbar.
Anders verhält es sich bei der Trendforschung: Die Trendforschung kann unter Einsatz verschiedener Methoden durchaus Konkretes zutage fördern, sind Strömungen und Entwicklungen als Verlaufsbewegung nicht nur zu beobachten, sondern durchaus empirisch erfassbar. Trends sind Phänomene der Gegenwart, die darüber hinaus Tendenzen und Richtungen auf zukünftige Erscheinungen in sich bergen, aus denen sich Folgen und Konsequenzen abschätzen lassen.
Ein Trend ist allerdings kein definitiver Wegweiser in die Zukunft. Denn die mittlerweile hohe Komplexität und Dynamik unserer Welt verwandelt Trendeffekte zu punktuellen Phänomenen. Sehr schnell verändern sich Trendfaktoren oder der Trend selbst bricht – heißt: er wechselt spontan die Richtung oder endet abrupt. Physiker sprechen in diesem Fall von einer "nicht-linearen Dynamik". Nicht-Linearität bedeutet, dass es keinen gleichmäßigen, kontinuierlichen Entwicklungsverlauf gibt. Eine Erkenntnis, die insbesondere der Ökonomie zu Schaffen macht, setzen ihre Strategien doch auf das Kalkül von Plan- und Berechenbarkeit, für deren Wirksamkeit wiederum stabile Rahmenbedingungen notwendig sind. Je dynamischer, komplexer und unüberschaubarer die Wirtschaftswelt sich also entwickelt, desto schwieriger ist es für das Management, die Kontrolle zu behalten – zumindest mit dem Repertoire ihrer bisherigen Instrumente.
Die Komplexität unserer Welt bedingt, dass immer mehr Indikatoren in der Trend- und Zukunftsforschung berücksichtigt werden müssen
Nun, die angesprochene Komplexität unserer Welt sorgt nicht nur für rasche, spontane und abrupte Veränderungen und punktuelle Erscheinungen, sondern auch dafür, dass Trends nicht mehr eindeutig zu erkennen sind.
Woran liegt das?
Hierfür müssen wir uns das Phänomen der Komplexität genauer anschauen: Das Komplexe übersetze ich mit dem Begriff einer "beweglichen Vielschichtigkeit". Und eben diese Vielschichtigkeit ist es, die Entwicklungen, Trends und Strömungen nicht isoliert, sondern im Bann von Korrelationen und Wechselwirkungen auftreten lässt. Diese "gegenseitigen Beeinflussungsprozesse" gekoppelt mit ihrer "nicht-linearen Dynamik" bilden ein "Evolutionssystem", das nicht nur die Entwicklung der Natur prägt, sondern auch den Menschen und seine Kultur. Heißt für die Analyse: Immer mehr Indikatoren und mögliche Wechselwirkungseffekte müssen in den Modellberechnungen und Szenarien der Trend- und Zukunftsforschung berücksichtigt werden.
Das erscheint recht kompliziert.
Doch womit haben wir es tatsächlich zu tun? Wird die Welt immer komplizierter?
Was unterscheidet Komplexität von Kompliziertheit?
Nun, beiden Begriffen ist gleich, dass sie immer wieder in einen Topf geworfen werden. Doch worin liegt der Unterschied?
Lassen Sie mich es so deuten: Komplexität ist ein Zustand, der eine "Organisation höherer Ordnung" aufweist, während Kompliziertheit weder Struktur noch Organisation besitzt.
Was bedeutet nun eine Organisation höherer Ordnung?
In einem komplexen System nimmt nicht einfach nur die Anzahl der Faktoren zu (wie etwa beim Phänomen der Kompliziertheit), sondern auch das Maß ihrer Anordnungen, ihrer Muster – das Niveau ihrer Organisation steigt. Komplexität ist also ein Ausdruck von Evolution. Heißt: Weiterentwicklung ist immer mit der Steigerung von Komplexität verbunden. Das Komplexe ist folglich kein Synonym für absolutes Chaos, sondern beschreibt eine sich ständig variierende und wachsende Organisationskultur.
Daher ist es auch falsch, Komplexität reduzieren zu wollen, etwa durch massive Rationalisierung oder pure Vereinfachung. Im Gegenteil: Je mehr Komplexität in unser Leben strömt, desto größer sind die Zusammenhänge, in denen wir denken müssen. Und desto interdisziplinärer und ganzheitlicher müssen Forschungsmethoden angelegt sein.
Die Trend- und Zukunftsforschung beschäftigt sich folglich sehr intensiv mit komplexen Phänomenen, lässt sich in ihrer Analyse doch eine Art von "Entwicklungsprinzipien" erkennen. Diese erstrecken sich beispielsweise vom Streben nach Vielfalt, Variation und Differenzierung bis zu Eigenschaften der Selbstorganisation, Kooperation und Symbiose. Und nicht zuletzt zeigt der Blick in das Wesen der Komplexität, dass sich – bezogen auf die Entwicklungsform - der direkte Bezug von Ursache und Wirkung verschiebt, dass – bezogen auf das Forschungsprozedere - die Methode der Extrapolation immer weniger greift, und dass – bezogen auf die Wirtschaft – der Mechanismus von Investition und Akkumulation nicht mehr zuverlässig funktioniert. Der Einsatz von Kapital und Leistung bringt nicht mehr Ergebnisse gleichen Umfangs.
Die Welt wird offener. Darauf muss sich jede Form moderner Forschungsdisziplinen einrichten.
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