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Artikelreihe "Aktuelle Herausforderungen der Internetrecherche" - Teil 1: Recherche im Web 2.0
In der Artikelreihe "Aktuelle Herausforderungen der Internetrecherche" werden aktuelle Themen im Bereich der Internetrecherche aufgegriffen sowie deren Bedeutung, Potentiale und Einsatzmöglichkeiten erläutert. Artikel 1 beschäftigt sich mit der Recherche im Web 2.0.
Internetrecherche in der Sekundärmarktforschung
Durch die rasante Verbreitung des Internets in den letzten Jahren hin zu einem ubiquitären Medium nimmt die Internetrecherche im Bereich der Sekundärmarktforschung mittlerweile einen zentralen Stellenwert ein. Keine andere Methode der Sekundärmarktforschung erlaubt eine derart umfangreiche Recherche in einer quasi unüberschaubaren Anzahl von Sekundärquellen. Durch die breite Quellenabdeckung stellt die Internetrecherche eine wichtige Methode in vielen Marktforschungsgebieten dar; so ist sie bspw. bei der Erstellung einer strategischen Marktanalyse unverzichtbar.
Durch die fortwährende Entwicklung des Internets ist allerdings auch geboten, aktuelle Trends und Strömungen, wie z. B. das Web 2.0, zu verfolgen und in die Recherchemethodik einfließen zu lassen.
Entstehung und Definition des Web 2.0
Der Terminus "Web 2.0" ist in den letzten Jahren zu einem Schlagwort geworden, der eine neue Generation des Internets beschreibt, in der die Nutzung des Webs und die Interaktion des Users einen tiefgreifenden Wandel erfahren haben. Die Internetnutzer konsumieren nicht mehr nur statische Inhalte auf Webseiten, die von den Editoren online gestellt werden, sondern kreieren Webcontent durch eigene Ideen, Beiträge und Interaktionsmöglichkeiten und sind somit an der Gestaltung des Webs aktiv beteiligt.
Der Begriff selbst wurde durch Tim O’Reilly geprägt, der diesen folgendermaßen definiert:
"Like many important concepts, Web 2.0 doesn’t have hard boundary, but rather, a gravitational core. You can visualize Web 2.0 as a set of principles and practices that tie together a veritable solar system of sites that demonstrate some or all those principles, at a varying distance from that core." [1]
Im Rahmen der Konkretisierung dieses Begriffes wurden sieben Grundprinzipien identifiziert [1], die das Web 2.0 und seine spezifischen Eigenschaften beschreiben. Dabei ist zu beachten, dass die Weiterentwicklung des Internets zum Web 2.0 nicht auf die Entwicklung und Verbreitung neuer Technologien zurückzuführen ist, sondern auf eine Reihe von Trends, die einen veränderten Umgang mit Informationen und den daraus resultierenden Einfluss auf informationsverarbeitende Prozesse beschreiben [2]. Abbildung 1 stellt die sieben Grundprinzipien und ihre entsprechenden Auswirkungen auf informationsverarbeitende Prozesse dar [2].
Durch die Veränderung der Informationsprozesse im Web 2.0 und der damit einhergehenden Entstehung neuer Informationscluster ergibt sich für die Internetrecherche die Chance, die Potentiale dieser Weiterentwicklung zu nutzen und durch die gezielte Erweiterung des Methodenvorrats das Web 2.0 als neue Recherchequelle zu erschließen.
(Abbildung 1: Die sieben Grundprinzipien und ihre Auswirkungen auf informationsverarbeitende Prozesse - klicken zum Vergrößern)
Anwendungen im Web 2.0
Basierend auf dieser Entwicklung haben sich im Web 2.0 verschiedene Anwendungen herausgebildet. Im Folgenden werden die wichtigsten Diensten kurz vorgestellt und anhand von Beispielen veranschaulicht:
- Wikis
Ein Wiki ist eine Online-Plattform, die es den Usern ermöglicht, gemeinschaftlich Einträge und Texte zu erstellen und (iterativ) zu editieren. Das Ziel eines Wikis ist es, das Wissen vieler User zu bündeln und kollektiv verfügbar zu machen.
Eines der bekanntesten Wikis ist Wikipedia. Die Online-Enzyklopädie ist das größte Internetlexikon und umfasst derzeit insgesamt 1,3 Millionen Artikel [3].
- Blogs
Ein Blog ist ein im Internet öffentlich geführtes Tagebuch zur Darstellung von Informationen, Meinungen und Erfahrungen. Meist haben die User, die das Blog lesen, die Möglichkeit, die Blogeinträge zu kommentieren (Editieren ist allerdings nicht möglich.). Die meisten Blogs werden von Privatpersonen geführt; viele dieser Online-Tagebücher sind einem bestimmten Thema gewidmet (z. B. Mode, Kunst, fachliches Thema). Neben diesen privaten Blogs gibt es sog. Corporate Blogs, in denen Unternehmen verschiedene Themen intern oder extern adressieren können. Als Beispiel für interne Blogs können Knowledge- oder Meeting-Blogs genannt werden. Externe Blogs können bspw. Service-Blogs für Kunden oder Marken-Blogs zur Bekanntmachung oder Festigung einer Marke sein. Eine sehr beliebte Art von externen Blogs sind CEO-Blogs von Unternehmensvorständen. Ein Beispiel hierfür ist das Blog des Vice Chairman von General Motors Bob Lutz [4; 5].
Eine Unterkategorie von Blogs stellen die sog. Mikro-Blogs dar, bei denen die Blog-Einträge sehr kurz sind und über verschiedene Kanäle gepostet werden kann. Der bekannteste Mikro-Blogging-Dienst ist Twitter [6].
- Foren
Ein Forum ist eine Plattform, auf der User Meinungen und Erfahrungen zu bestimmten Themen austauschen können. In sog. Threads können unterschiedliche Fragestellungen diskutiert werden. Hierbei erfolgt die Kommunikation asynchron, d. h. die Beiträge der User können zeitlich versetzt gepostet werden.
Foren gibt es zu den unterschiedlichsten Themen; sie können über eine Suche mit einer Suchmaschine gefunden werden.
- Open Social Networks
Ein Open Social Network ist eine Plattform, bei der sich User mit einer persönlichen Profilseite registrieren können und über diese Seite mit anderen Usern in Kontakt treten können. Diese Interaktionsmöglichkeiten bestehen insbesondere in der Kontaktaufnahme durch Verlinkung, der Versendung von Nachrichten (per E-Mail oder durch Posts auf die jeweilige Profilseite), dem Beitritt von interessensspezifischen Nutzergruppen und verschiedenen Suchoptionen.
Die bekanntesten Open Social Networks in Deutschland sind Xing [7] im Business-Bereich und Facebook [8] sowie StudiVZ im privaten Bereich [9].
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