Multikulturelle Forschung | marktforschung.dossier - April 2016

Multikulturelle Forschung: Methoden, Vergleichbarkeit, Teilnahmebereitschaft – Editorial

Dorothee Ragg, Redakteurin marktforschung.de

Von Dorothee Ragg, marktforschung.de

Wenn die Globalisierung einen Schritt voraus ist

Dichter und Musiker in der Romantik träumten noch voller unerfüllter Sehnsucht von der Ferne. "Von fremden Ländern und Menschen" lautet etwa der Titel eines Klavierstücks von Robert Schumann. Und heute in Zeiten der Globalisierung: wird die Welt tatsächlich immer kleiner? Sind wir überall zu Hause? Aber wer spricht schon verhandlungssicher mehr als nur eine Sprache, abgesehen von der Muttersprache? Selbst die Weltsprache Englisch wird in Deutschland nur von wenigen so beherrscht, dass sie sie in einem professionellen Rahmen einsetzen können. Laut EF English Proficiency Index belegt Deutschland den 11. Rang von 27 europäischen Ländern bezüglich der Englisch-Sprachkenntnisse – für den Exportweltmeister ein erschreckend schlechtes Ergebnis. Doch wenn selbst die Sprache nicht beherrscht wird, wie mag es da erst um das Verständnis für kulturelle Unterschiede bestellt sein?

Wohlgemerkt: kulturelle Unterschiede fangen schon innerhalb eines Landes an, in dem vermeintlich dieselbe Sprache gesprochen wird. So kennt, wer im Rheinland unterwegs ist, nach einem Kneipenbesuch am Abend eventuell mehr Menschen als ihm lieb ist – wobei die neuen Bekanntschaften meist mit dem Verlassen der Kneipe auch schon wieder enden. Wer aber im Rhein-Main-Gebiet einen lockeren Smalltalk versucht, dem schlägt oftmals Erstaunen entgegen. Denn der Hesse ist doch eher brüskiert, wenn er anlasslos angesprochen wird. Zugegeben eine völlig subjektive und einseitige Sichtweise und Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel …

Doch zurück aufs internationale Parkett: Bei weltweiten Projekten in der Marktforschung existieren zahlreiche Stolperfallen sowohl auf kultureller als auch auf sprachlicher Ebene. Nun wird aber im Zuge der Globalisierung der Wunsch nach Skalierbarkeit immer größer. Auch das Thema Geschwindigkeit spielt eine immer bedeutendere Rolle. Doch lässt sich der Wunsch, dass Erkenntnisse möglichst globale Gültigkeit haben sollen und gleichzeitig in immer höherer Geschwindigkeit, am Ende gar in Echtzeit vorliegen sollen, überhaupt erfüllen? Welche Auswirkungen hat die Globalisierung auf interkulturelle Marktforschung, wenn etwa das Verständnis für kulturelle Unterschiede wichtig ist, um Objektivität zu gewährleisten? Wie kann Marktforschung vor diesem Hintergrund dem Anspruch an adäquate Beratung hinsichtlich Marken- und Kommunikationsstrategien im 21. Jahrhundert gerecht werden?

Fragen, auf die es möglicherweise jeweils mehr als nur eine gültige Antwort gibt. Doch im Idealfall geben die Beiträge dieses marktforschung.dossier den Anstoß für weitere Diskussionen.

Ihre Dorothee Ragg
(Redakteurin)

Über marktforschung.de

Branchenwissen an zentraler Stelle bündeln und abrufbar machen – das ist das Hauptanliegen von marktforschung.de. Unser breites Informationsangebot rund um die Marktforschung richtet sich sowohl an Marktforschungsinstitute, Felddienstleister, Panelbetreiber und Herausgeber von Studien, Marktdaten sowie Marktanalysen als auch an deren Kunden aus Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe.

facebook twitter google plus