Wir schaffen das

Anthony J. Riecke, RIECKE Marktforschung
RIECKE  Marktforschung Anthony Riecke

Wir schaffen das – bestimmt. Aber nur, wenn wir auch was tun! Diese Worte sollen nicht die Beweggründe für unsere aktive Hilfe erläutern. Leser, die sich fragen, wieso wir überhaupt helfen, mögen die Lektüre jetzt einstellen, hier werden wir nicht weiterkommen.

Ich schreibe diese Zeilen vielmehr für die große Mehrheit der rat- und hilflosen Mitmenschen, die das dumpfe Gefühl haben, sie müssten helfen, aber nicht wissen, wo, wie und womit? Und "tun die anderen das nicht schon?" "Ich will mich auch nicht aufdrängen!" "Das lasse ich mal lieber die Profis machen." Wo wir beim Thema wären: Lass das doch die anderen [Profis] machen!

Ich komme gerade von so einer Stelle, wo die "Profis" (Haupt- und Ehrenamtliche Helfer des DRK in Hamburg), versuchen den Menschen, die nicht mit herbsttauglicher Kleidung hierher geflüchtet sind, mit dem Notwendigsten auszustatten.

Ich sehe eine der Helferinnen abseits stehen, sie macht eine Pause, raucht. Ich frage sie: "Was braucht Ihr, wie kann ich helfen?" Sie sieht mich interessiert an, überlegt, ist aber nicht überrascht. Dann sprudelt es aus ihr heraus: Wir sortieren Montags bis Freitags, 9 bis 17 Uhr. Dienstags Ausgabe Herrenkleidung, Mittwochnachmittag Ausgabe der Frauenkleidung, hier brauchen wir dringend Hilfe. An den anderen Tagen auch, aber Mittwochs ist fast niemand hier. Ich bin immer bis 16 Uhr hier. Aber es reicht einfach nicht. Und wir brauchen Jacken, Mäntel, – kleine Größen – und Unterwäsche, Schuhe, Kinderwagen, Buggys … Es geht schier endlos weiter. Sie wirkt immer verzweifelter, je länger sie erzählt. Es gibt hier nur diese eine Kleiderausgabe vom DRK, für die Menschen, die jetzt im großen Baumarkt um die Ecke leben.

Sie möchte mich kurz herumführen, zeigt mir die beiden Zelte, die provisorischen Lagerräume. In größeren Räumen wird gestapelt und sortiert, Helfer empfangen die Menschen, andere geben Kleidung aus. Es sind zwei große Zelte, in denen die Menschen geduldig warten. Im ersten Zelt stehen sie regengeschützt an, zeigen ihre Bezugsscheine und Identifikationsbänder. Im zweiten Zelt werden die benötigten Kleidungsstücke aus den Stapeln herausgesucht und ausgehändigt. Es stehen gerade vielleicht 30 Menschen in der Schlange. Es geht ruhig zu dort. Es ruft nur mal ein Helfer aus dem zweiten Zelt: "Haben wir noch Schuhe in 44?" "Nein, es ist nichts mehr da – gestern sind nur kleine Größen gekommen."

Ich komme mir schäbig vor, im dunklen Mantel und feinen Schal zwischen all den anderen Menschen hier. Wie zur Besichtigung. Während die Helferin weitererzählt, dass sie nicht genug für alle haben, dass die Menschen wirklich frieren müssen, wenn sie nicht helfen können, dass teilweise Menschen in Flipflops und mit kleinen Kindern im T-Shirt in der Schlange stehen, höre ich gar nicht mehr richtig zu, es ist einfach zu viel. Und ich habe einen Kloß im Hals. Ich merke erst später, daß sie gar nicht erkältet ist, wie ich vermutet hatte, sie ringt mit den Tränen. Sie entschuldigt sich dafür. Ich will jetzt nur weg, auch mir geht das sehr nah. Entweder man stumpft ab oder braucht Taschentücher. Ich war vielleicht zehn Minuten auf dem Gelände. Die Frau macht das jeden Tag von 9 bis 16 Uhr. Und sie braucht eine Menge Taschentücher.

Soviel zu den Profis.

Ich hatte sowieso den Plan, mit der ganzen Firma dort hinzufahren und einmal für drei bis vier Stunden beim Sortieren und Ausgeben zu helfen. Wenn jeder sowas ein bis zwei Mal macht, dann muss das doch reichen! Heute wollte ich mich nach der besten Uhrzeit dafür erkundigen und wieder los.

Nach dem Erlebten bin ich nun der Meinung, dass wir das nicht erst in ein paar Wochen machen sollten. Und nicht einmal. Und nicht nur wir. Es gibt sie, die Profis, die das mehr oder weniger amtlich machen, aber die kommen auch an ihre Grenzen.

Wir alle können helfen. In jeder Stadt, mit eigenen Mitteln. Nach der Arbeit oder in der Mittagspause, mit kleinen Spenden, Dingen aus dem Kleiderschank, oder mit einem Blech Kuchen für die Helfer, einem Lächeln und mit Worten, wenn wieder jemand sagt: "Ich bin ja nicht rechts, aber ..."

Also, wenn Sie das dumpfe Gefühl haben, sie müssten helfen, aber nicht wissen, wo, wie und womit oder wenn Sie denken, das tun bestimmt die anderen schon, ich will mich nicht aufdrängen, das lasse ich lieber die Profis machen. Nein: Machen. Jetzt! Und darüber reden!

Ich befinde mich in der guten Position, dass ich Menschen, meinen Mitarbeitern, Anweisungen geben kann. Ich habe das Glück, dass ich das gar nicht tun muss, hier wollen alle freiwillig helfen, auch ohne Anweisung. Es gibt zaghafte Ansätze in unserer Branche, Hilfe zu Bündeln, Ideen zu sammeln und Hilfe zum Helfen zu geben. Unter dem Namen researchers4refugees sammeln sich die ersten Mitstreiter. Guter Ansatz. Mich haben Kunden angerufen und gesagt: "Toll! Ich will auch helfen, was kann ich tun? Was macht ihr?"

Aber ist das nicht nur Marketing? Der Initiator ist gleichzeitig Betreiber eines kommerziellen Portals, die genannten Unternehmen könnten das auch werblich "auf Kosten der Hilfesuchenden" ausnutzen. Mir wurde das auch vorgehalten. Ich hörte "Wieso lasst Ihr Euren Namen dort aufnehmen? Wo ist Eure hanseatische Zurückhaltung?"

Das ist mir ausnahmsweise mal egal. "Tue Gutes und rede darüber." Das ist gerade jetzt extrem wichtig, damit es Nachahmer gibt! Damit darüber gesprochen und diskutiert wird.

Lassen Sie uns darüber sprechen und lassen Sie uns etwas tun, dann schaffen wir das!

Anthony J. Riecke

Unterstützer

Jede Aktion lebt von ihren Unterstützern. Diese tragen die Idee und verbreiten das Anliegen. Es ist dabei nicht wichtig, ob es sich um Einzelpersonen oder Unternehmen handelt. Jeder kann beim Helfen helfen.

Es ist ebenfalls zunächst zweitrangig, ob die Unterstützung in Form einer Spende oder aber auch als simples Verbreiten der Aktionsidee daherkommt.

Im Folgenden finden Sie eine Liste derer, die Researchers4Refugees – in der einen oder anderen Form –  unterstützen:

  • SKOPOS
    Institut für Markt– und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­schung
    GmbH & Co. KG
  • Research Now GmbH
  • respondi AG
  • Deutsche Gesellschaft für Online-Forschung e.V. (DGOF)
  • Matthias Fargel (Beirat marktforschung.de)
  • Dr. Martin Einhorn (Leiter Marktforschung Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Beirat marktforschung.de)
  • result GmbH
  • Prof. Dr. Christa Wehner (Professorin an der Hochschule Pforzheim, Leiterin des Studiengangs Betriebswirtschaft/Markt- und Kommunikationsforschung, Beirat marktforschung.de)
  • YouGov Deutschland AG
  • SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH
  • INTEGRAL Markt- und Meinungsforschungsges.m.b.H
  • Wolfgang Dittrich (Geschäftsführer d.core, Beirat marktforschung.de)
  • GIM Gesellschaft für Innovative Marktforschung (mehr dazu: www.gim-radar.de/gelebte-solidaritaet-die-gim-spendet-fuer-fluechtlinge/)
  • RIECKE - Lösungen für Marktforschung
  • advise research GmbH
  • at random international GmbH
  • Sabine Menzel (Director Consumer & Market Insights, L'ORÉAL Deutschland GmbH; Beirat marktforschung.de)
  • LDB Gruppe
  • T.E.A.M Team für effiziente angewandte Marktpsychologie
  • FactWorks GmbH - High-End-Marktforschung und Analytics
  • SSI Survey Sampling Germany
  • Böhm Marktforschung & Demografie-Beratung
  • Questback GmbH
  • Lisa Dust - Geschichten aus Daten
  • TNS Deutschland GmbH
  • Infraquest GmbH
  • Telquest GmbH
  • Foerster & Thelen Marktforschung Feldservice GmbH
  • NÜCHTERN // MARKTFORSCHUNG
  • SR Strategy Route
  • GapFish GmbH
  • Norstat Deutschland GmbH
  • mind-centric
  • rc - research & consulting GmbH
  • komma Forschungs- und Beratungsgesellschaft mbH
  • Checkpoint Marktforschung
  • (r)evolution GmbH
  • Interdisziplinäre Studiengesellschaft e.V.
  • Millward Brown
  • SOKO Institut GmbH
  • infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft GmbH
  • Interrogare GmbH
  • Dose Marktforschung
  • Neuro Flash
  • Umfragenwerk

Möchten auch Sie als Unterstützer in dieser Liste erscheinen? Schreiben Sie uns eine E-Mail an info(at)researchers4refugees.com. Vielen Dank.

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