Marktforscher – kein Traumjob?

Marktforschung in Österreich

01.09.2016

Der Beruf Marktforscher findet sich nicht auf den Hitlisten der Traumjobs in Österreich. Laut einer Umfrage unter Markt- und Meinungsforschern geben lediglich 12 Prozent an, dass sie diesen Beruf ergriffen haben, weil das immer schon ihr Wunsch war. Für 76 Prozent war die Berufswahl reiner Zufall. Der Rest der Befragten bezeichnet sich als Quereinsteiger. Dieses Ergebnis ist wohl einerseits auf das Image der Branche zurückzuführen, das grundsätzlich verbesserungswürdig ist.

Marktforscher – kein Traumjob? (Bild: Rawpixel.com - fotolia.com)

Marktforscher – kein Traumjob? (Bild: Rawpixel.com - fotolia.com)


Für marktforschung.de berichtet Sabine Beinschab

Laut einer Studie von marketagent.com und telemark marketing [2] sind nur 6 Prozent der Befragten der Meinung, dass die Marktforschung ein sehr gutes Image hat. 29 Prozent schreiben der Branche immerhin ein gutes Image zu. Andererseits liegt es wohl auch daran, dass die Mehrheit der Bevölkerung zu wenig über den Job des Marktforschers weiß.

Marktforschungsallrounder gefragt

In Österreich gibt es viele kleine Institute mit flachen Strukturen. Die Mitarbeiter sind daher gefordert, mehrere Tätigkeiten in ihrem Job zu vereinen. So sind Projektleiter häufig vom Verfassen eines Angebots über die Durchführung von quantitativen und qualitativen Projekten, der Auswertung der Ergebnisse bis hin zur Kundenpräsentation zuständig. Das heißt, es sind weniger Marktforschungsspezialisten, sondern eher Marktforschungsallrounder gefragt. Einerseits sind extrovertierte, kommunikative Persönlichkeiten, die sich selbst und Studieninhalte gut präsentieren können, gewünscht. Andererseits sollte es sich um Personen handeln, die sich tagelang in ihr Kämmerchen zurückziehen, auf ihre Auswertung konzentrieren und Daten analysieren. Gefordert wird also ein Kommunikations- und Vertriebstalent mit hoher Zahlenaffinität, psychologischen Fähigkeiten, Empathie, analytischem Denken und Beharrlichkeit. Zudem sind ausgezeichnete EDV-Kenntnisse gefragt, um die Ergebnisse selbst auswerten zu können und überzeugende Charts für den Kunden zu erstellen. Das alles unter einem Hut zu finden, ist schwierig.

Ausbildungen zum Marktforschungsallrounder

Ebenso schwierig ist es, eine Ausbildung zu entdecken, die genau diese Fähigkeiten lehrt. Das einzige rein auf Markt- und Meinungsforschung fokussierte Studium in Österreich findet man derzeit an der Fachhochschule Wiener Neustadt, Campus Wieselburg. Es handelt sich dabei um einen viersemestrigen Masterstudiengang mit der Bezeichnung Markt- und Konsumentenforschung (Consumer Affairs). Dabei lernen die Studenten alle quantitativen und qualitativen Methoden der Marktforschung sowohl theoretisch als auch praktisch im Zuge von Projekten kennen. Zudem bietet der Studiengang einen fundierten Einblick in die Sensorik. Die Fachhochschule verfügt neben Gruppendiskussionsräumlichkeiten auch über ein Sensoriklabor.

Die erste akademische Ausbildung zum Markt- und Meinungsforscher in Österreich wurde am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften der Universität Wien nach dem Konzept von Univ. Prof. Dr. Fritz Karmasin im Jahr 1989 angeboten. Es handelte sich dabei um einen viersemestrigen Universitätslehrgang mit dem Titel "Akademischer Markt- und Meinungsforscher". Dieser existiert aktuell in dieser Form nicht mehr. Heute ist der Universitätslehrgang ein postgradualer Masterstudiengang, der sich Public Communication nennt und neben Markt- und Meinungsforschung auch Public Relations, Public Affairs, Werbung und Journalismus lehrt. Der Fokus auf die Markt- und Meinungsforschung wurde also um verwandte Disziplinen erweitert.

Die Executive Academy der Wirtschaftsuniversität Wien bot in den vergangenen Jahren ebenfalls einen speziellen Lehrgang "Markt- und Meinungsforschung" an. Dieser richtete sich an Personen mit Berufserfahrung oder Branchenkenntnissen insbesondere in den Bereichen Markt- und Meinungsforschung, Marketing sowie Werbung und Verkauf, die eine berufsbegleitende Aus- und Weiterbildung anstreben. Es handelte sich dabei um einen dreisemestrigen, berufsbegleitenden Lehrgang mit dem Abschluss "Akademischer Markt- und Meinungsforscher (WU)". Aber auch dieser Lehrgang wurde mittlerweile reformiert und nennt sich nun "Marketing und Sales".

Selbstverständlich gibt es noch zahlreiche weitere Studiengänge, die Markt- und Meinungsforschung als Fach beziehungsweise Vertiefung anbieten. Möchte man sich jedoch wirklich darauf spezialisieren, so ist die Auswahl eher gering.

Schade eigentlich – denn auch wenn man den Beruf als Marktforscher nicht bewusst als Traumberuf auswählt, so geben 84 Prozent [1] der Markt- und Meinungsforscher in Österreich an, dass sie mit ihrem Job (sehr) zufrieden sind. 78 Prozent würden sich erneut dafür entscheiden, Markt- und Meinungsforscher zu werden.

Quellenangaben:
[1] Studie von marketagent.com und telemark marketing: n=51 Onlineinterviews mit Marktforschern durchgeführt, Erhebungszeitraum: 07.10.2014 – 11.11.2014
[2] marketagent.com und telemark marketing befragten 2014 für die Studie n=508 Österreicher ab 18 Jahren.

 

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