Marktforschung in China: Hintergrund und Kulturelle Rahmenbedingungen

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China erscheint ein Riese,
ist jedoch keiner von jener Sorte, der kleiner wird, wenn man sich ihm nähert. Im Weltmaßstab ist China das bevölkerungsreichste Land (1,3 Milliarden), mit den meisten Millionenstädten (160), den weltweit meisten Senioren (200 Millionen) , dem größten Auslandsreisendenmarkt (83 Millionen Reisende 2012, die 103 Milliarden US $ im Ausland ließen), dem größten Mittelstand ( z. Zt. 300 Millionen), den zukunftsträchtigsten Märkten für Industrieausrüster,  Eisenbahnbauer, Autohersteller und Luxusartikel, den größten Banken mit den üppigsten Auslandsdevisenreserven. Innerhalb der letzten dreißig Jahre hat sich China zur zweitgrößten Volkswirtschaft und wieder zur Weltmacht hochgearbeitet. Auf absehbare Zeit birgt China fast unbegrenzten Bedarf an und Nachfrage nach fast allem, was Dienstleister und Hersteller heute so zu bieten haben. Die alte Erfindernation des Papiers, des Druckes, Kompasses, Schießpulvers, Porzellans, Seide und Papiergeldes drängt offensichtlich erneut an die globale Innovationsfront.
"Marktforscher, hört die Signale!"

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Sämtliche Beiträge der Reihe "Marktforschung in China"

Marktforschung in China

Der China-Manager - nicht nur in der Marktforschung

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24.02.2015 - Die Managementstile der chinesischen Marktforschungsinstitute zu verstehen, erleichtert die Zusammenarbeit mit jenen. Als typisch gilt eine Mischung aus Patriarchat, militärischen Traditionen,... weiterlesen

 

Arzt in China – Hintergrund und Hintergründiges

21.01.2015 - Dr. Sun Yat-Sen ist Chinas populärster Mediziner – als historischer Reformpolitiker, nicht als Arzt. Chinas Ärzte haben es seit je her schwer, selbst im aktuellen Boom. Dafür bescheren sie Weltrekorde... weiterlesen

 

Altern in China

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17.12.2014 - Auch im Altern ist China inzwischen Weltmeister. Nach klassischer chinesischer Auffassung ist Altern weniger erschreckend als im Westen; in der heutigen Praxis dennoch wenig vorteilhaft. Für das... weiterlesen

 

Chinesische Status- und andere Symbole für Marktforscher

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27.11.2014 - Symbolik spielt in China eine herausragende Rolle. Als Ausdruck des sozialen Rangs gelten sparsame Gesten in Verbindung mit großzügigen Attributen. Klein aber fein ist z.Z. eher „out“. Als „in“... weiterlesen

 

China und die Mitte - nicht nur für Marktforscher

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29.10.2014 - China pflegt ein besonderes Verhältnis zur Mitte. Mitte als nationales Selbstverständnis und Lebensziel der Weisen. China bietet die größte Mittelschicht und einen vermutlich bald allwissenden Cyber-... weiterlesen

 

Chinesische Jugend aus Sicht der Sozial- und Marktforschung

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09.10.2014 - Chinas Generation Y ist geprägt von asiatischen Leitbildern, Leistungsdruck, Partnerknappheit, Familiendisziplin, Anspruchsallüren und Experimentierfreude. Micro-Blogs sind ergiebige Quellen zur... weiterlesen

 

"Her mit Eurem Ersparten!" - mit Hilfe von Marktforschung in China?

18.09.2014 - Chinesen sind beim Sparen Weltmeister, was weder Handel noch Regierenden gefällt. Sparen ist tief in Chinas Kultur verwurzelt. Die Abkehr vom Bargeld erfolgt noch zögerlich. Der Umgang mit Geld ist... weiterlesen

 

Korruption als Faktor für Marktforschung in China

31.07.2014 - „Ein Hühnchen schlachten, um den Affen zu erschrecken“ stammt aus der altbewährten Trickkiste Chinas. Diese Taktik funktioniert heute als Instrument der Bestechlichkeitsbekämpfung. Ertappten... weiterlesen

 

TIC in der China-Marktforschung

10.07.2014 - Das Akronym TIC hat während der letzten Jahre in der Volksrepublik China Karriere gemacht als Stoßgebet, Fluch, Drohung und philosophische Kurzformel. Für Markt- und Motivforscher vor Ort ein... weiterlesen

 

Chinas 36 Strategeme, Sun Tsu und die Marktforschung

18.06.2014 - In China ist Listigkeit Teil der Alltagskultur. Sie gilt als eine legitime Methode der Zielerreichung. Die hohe Kunst der adäquaten List findet sich vom Märchen bis hin zur Managerausbildung. Die... weiterlesen

 

China scheint ein Zwerg,
wenn wir uns ihm als Marktforschungsmarkt nähern. Doch Vorsicht: Beim näheren Hinsehen entdecken wir, dass jener Marktforschungszwerg ein Kleinkind ist mit Genen, die das Zeug zum Riesenwuchs in sich tragen. Der künftige Riese könnte sich jedoch in Gestalt und Wesen von seinen Vettern in Übersee deutlich unterscheiden. Dies vorweg: Genaues weiß man nicht. Alles tapfere Schätzungen; doch dazu später Mal Ausführlicheres. Demnach wurden im Jahr 2012 in China 1,3 Milliarden US-Dollar für Marktforschung aufgewendet – im Vergleich zu 11,3 Milliarden in den USA oder drei Milliarden in Deutschland. Ganze 9.000 Beschäftigte in China geben Marktforschung als derzeitigen Beruf an. Dennoch bilden diese Zahlen für China ein beachtliches Niveau ab. Man bedenke, dass die VR China von einer offiziell kommunistischen Regierung geleitet wird, für die Marktwirtschaft nur eine zeitlich begrenzte – historisch jedoch notwendige – Übergangsphase darstellt.
"Begegnet den Anfängen!"

China ist weit weg.
Zu den heute angesagten Metropolen Chinas gilt es, 8.000 Kilometer Flugstrecke, ostwärtigen Jetlag und Toiletten mit dem gewissen Extra zu überwinden. Wirkungsvoller noch als die große chinesische Mauer halten Schrift und Sprache die meisten Ausländer auf respektvolle Distanz. Manche als typisch chinesisch empfundene Lebensweisen tun ein Übriges, China fremd und fern erscheinen zu lassen.
"Die Berge sind hoch und der Markt ist weit"

China ist uns nah.
Näher an unserem Alltag und Beruf in Deutschland, als vielen sensiblen Marktforschern bewusst ist.
- Deswegen schreibe ich das ja. -
5.000 deutsche Unternehmen sind derzeit in China direkt vertreten; 16.000 Deutsche arbeiteten 2012 in China, zuzüglich 4.800 deutscher Studenten in China. Doch China ist auch bei uns angekommen. Nicht nur mit China-Restaurants und -Shops. Jeden Sommer entblößen sich Zigtausend chinesische Kaligraphie-Tätowierungen auf hiesigen Schultern und Oberarmen. In jedem deutschen Haushalt dienen Dutzende in China hergestellte Produkte und Komponenten. Vom Knoblauch und Honig über "Made in China"-Schuhe und Kleidung zu Smartphones, optischen Geräten und Laptops. China bescheidet sich nicht mehr in der Rolle des diskreten – und oft geschmähten – Lieferanten von preisgünstigen Waren. Die Chinesen kommen selbst nach Deutschland. 360.000 chinesischen Touristen waren es im vergangenen Jahr; 20 % Steigerung p.a. 24.000 chinesische Studenten sind aktuell an deutschen Hochschulen immatrikuliert und stellen damit 14 % aller dortigen Ausländer. Manche werden bleiben; viele von ihnen werden wiederkommen - als Geschäftsleute. Nach den USA und Schweiz ist China inzwischen der drittgrößte Investor in Deutschland – Tendenz steigend, siehe oben: Auslandsdevisenreserven. Chinesen werden in Deutschland selbstverständliche Anbieter, Konkurrenten, Kunden, Kollegen, Partner, Arbeitgeber, strategische Investoren, Patentinhaber– und hoffentlich auch Freunde.
"Wenn das Guanxi stimmt".

Guanxi?
"Guanxi" wird verkürzt mit "Beziehungen" übersetzt. Doch es bedeutet  wesentlich mehr als das. Es ist eines der zentralen Elemente der chinesischen Wirtschaft. Guanxi dient als eine Art limbisches Nervensystem der chinesischen Gesellschaft; uralt, bewährt und - in westlicher Auslegung - vorrational. Wer Guanxi-Mechanismen nicht erkennt, wird weder den Umgang der Chinesen untereinander noch mit Fremden realitätsnah nachvollziehen können; wird selbst bei reicher Datenlage vermutlich nicht zutreffend verstehen, wie und warum sich chinesische Marktteilnehmer so verhalten. Guanxi setzt der derzeitigen Mainstream-Marktforschung westlich anglosächsischen Prägung deutliche Grenzen.

In einer kleinen Beitragsserie werde ich Ihnen an dieser Stelle neben zentralen Elementen wie Guanxi, Mianzi und Dao andere Besonderheiten Chinas, die für uns Marktforscher zunehmend relevant werden, aus meiner persönlichen Sicht erläutern. Nicht aus luftigen akademischen Höhen, sondern aus der bodennahe Flughöhe eigener Erfahrungen aus vierzig Jahren Umgang mit Chinesen, bisweilen späten Einsichten, Angelesenem, Gehörtem, Fehlern, Beobachtungen und vielen geduldigen Erklärungen meiner chinesischen Partner, Freunde und Angehörigen. Garantiert nicht repräsentativ, möglicherweise aber relevant – auch für Sie.

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