Von der Bedeutung eines guten Riechers und der Kunst als Forschungsmethode

Ein Cartoonheld im Interview

19.12.2016

Wissbert ist Marktforscher. Soweit, so gewöhnlich. Aber Wissbert ist nicht irgendein Marktforscher – ganz im Gegenteil: Wissbert ist DER neue Cartoonheld der Branche. Höchste Zeit also für ein Gespräch – sozusagen von Wissbert zu Lübbert. Das Thema "Bert" bleibt da nicht aus. Aber natürlich geht’s auch noch um andere Dinge.

Wissbert, der neue Cartoonheld der Marktforschungsbranche (Bild: INNCH GbR)

Wissbert, der neue Cartoonheld der Marktforschungsbranche (Bild: INNCH GbR)

marktforschung.de: Hallo Wissbert, wir kennen uns ja von Twitter. Da sich dort alle duzen – wollen wir auch "Du" sagen?

Wissbert: Geht klar, du kannst mich auch einfach Wiss nennen.

marktforschung.de: Was hat Dich in die sozialen Medien getrieben? Mir scheint nämlich, Twitter ist in Marktforscher-Kreisen immer noch eher so etwas wie ein Geheimtipp …

Wissbert: Alle paar Wochen erzähle ich zwar eine Geschichte, die ich in meinem Alltag als Marktforscher erlebe. Aber das war mir auf Dauer einfach zu wenig. Ich bin halt von Natur aus vorlaut und habe deshalb nach einer Möglichkeit gesucht, öfter mal einen vorwitzigen Spruch zur Branche abzulassen. Außerdem sind meine Geschichten immer in diese vier quadratischen Bilder eingesperrt. Was glaubst du, wie man sich da auf Dauer fühlt! Da ist es erfrischend, auch mal aus den miefigen Kästen raus zu kommen. Ob aber Twitter ein Geheimtipp ist - ich glaube, es ist eher ein vergessenes Medium. Die Leute haben schon genug zu tun, Facebook und die Businessnetzwerke zu füttern.

marktforschung.de: Mir ist einer Deiner Tweets besonders in Erinnerung: "Macht mir Mut: Auch woanders sind Witzfiguren erfolgreich / makemafogreatagain" – nimmst Du Dich etwa selbst gar nicht ernst?

Wissbert: Ich finde, man sollte sich selbst nicht all zu ernst nehmen. Mit einem guten Witz kann man Dinge auf den Punkt bringen. Die Intelligenz im Spaß wird meiner Meinung nach unterschätzt. Nimm mal einen beliebigen Kreativ-Workshop. Ich habe noch keinen ohne Spaß erlebt. Das lässt sich gar nicht vermeiden, wenn man gute Ideen entwickeln möchte. Spaß bringt das Denken "out of the Box".

Wissbert und Lübbert im Gespräch. (Bild: INNCH GbR)

Wissbert und Lübbert im Gespräch. (Bild: INNCH GbR)


marktforschung.de:
Muss man denn Mafo überhaupt "great again" machen? Ist es um unsere Branche so schlecht bestellt?

Wissbert: Eigentlich nicht, auch wenn viele Kollegen vor dem großen Dada zittern und ehrfürchtig zu Google aufschauen. Man fühlt sich dann selbst so schrecklich altmodisch analog. Derlei Minderwertigkeitsgefühle sind aber nicht berechtigt. Was glaubst du, warum ich Wissbert heiße, und nicht etwa Sammelbert oder Datenbert? Genau, weil ich nicht einfach Daten sammle, sondern einen guten Riecher habe, mit dem ich die Zusammenhänge zwischen den Daten analysieren kann. Marktforschung ist also eigentlich schon "great", man muss sich das nur immer mal wieder klar machen. Und vor dem digitalen Zeitalter muss sich die Branche auch nicht fürchten – ich zum Beispiel bin schon voll dort angekommen: Auch wenn ich aus analoger Tusche bestehe, meinen letzten Feinschliff kriege ich in Photoshop.

Geniale Ideen brauchen echte Nasen und Ohren

marktforschung.de: Wo liegt denn aus Deiner Sicht der sprichwörtliche Hase im Pfeffer?

Wissbert: Ich hoffe, er liegt zu Weihnachten auf meinem Teller – mit Semmelknödel dazu.

marktforschung.de: Was kann man dagegen tun – also nicht gegen den Hasen auf Deinem Teller, sondern gegen die Sorge, der Marktforschung ginge es generell nicht gut?

Wissbert: Man kann sich wieder mehr auf seinen guten Riecher verlassen. Früher hab ich mich geschämt, weil ich dachte, meine Eltern hätten mich von afrikanischen Elefanten adoptiert. Jetzt trage ich meine neugierige Nase und meine großen Ohren mit Stolz. Mit Sammeln allein ist es doch nicht getan. Solange Siri meistens antwortet: "Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstanden habe", kann man auf echte Nasen und Ohren nicht verzichten. Ohne Nase keine Analyse, keine genialen Ideen und keine neuen Strategien für unsere Kunden. Wäre doch gelacht, wenn wir uns von den Nasenlosen die Show stehlen lassen.

marktforschung.de: Du siehst ja noch sehr jung aus und stammst – wenn ich das richtig einschätze – aus einer künstlerisch ambitionierten Familie. Was hat Dich denn eigentlich in die Marktforschungsbranche geführt?

Wissbert: Meine Familie, das ist schon eine seltsame Mischung: Die Mama eine Kreative und Künstlerin, die aber jetzt schon viele Jahre Marktforschung betreibt. Und der Papa ist ein Psychologe und Forscher. Aber Gegensätze ziehen sich an. Und spannend wird, was dabei herauskommt, wenn sich beides vermischt: Das Forschen wird kreativer und die Kunst sogar zur Forschungsmethode ... und es kommt so etwas wie ich dabei heraus. Inzwischen fühle ich mich auch sauwohl in der Branche.

Tote Marken im Nebel

marktforschung.de: Wie erklärst Du den Menschen in Deinem privaten Umfeld, was Du beruflich machst?

Wissbert: Am besten gar nicht … nein, war ein Scherz. Zuerst trällere ich den Tatort-Trailer und erzähle dann von dieser finnischen Handymarke. Die ist zwar keinem juristisch relevanten Verbrechen zum Opfer gefallen, liegt aber dennoch im Koma. Und dann komme ich, Wissbert der Detektiv, sichere die Spuren des Verbrechens, befrage Zeugen, auch wenn ich ihnen erst einmal kein Wort glaube. Überall stecke ich meine Nase rein, bis ich den Täter dingfest gemacht und sein Motiv enträtselt habe. Nenn mich gerne Monsieur Poirot, für dich natürlich: Hercule. Ich schreib übrigens auch gerade an einem Kurzkrimi: "Die tote Marke im Nebel", Untertitel: "Mord im Mediamarkt". Da sag mal einer, Marktforschung wäre langweilig!

marktforschung.de: Klingt in der Tat spannend! Was würdest Du tun, wenn Du nicht Marktforscher geworden wärst?

Wissbert: Als Kind – also genaugenommen als Vorskizze - wollte ich schon so etwas Ähnliches werden: Archäologe! Dann habe ich mich mal schlau gemacht, wie die tägliche Arbeit von Archäologen so aussieht. In Ägypten im Sand buddeln, fand ich ja noch nett, aber den ganzen Tag Staub von Scherben herunterpinseln, nö. Staubwischen ist nicht meins. Über die Sache mit dem Staub kam ich dann schnell auf die Lösung: Du musst Dinge untersuchen, auf denen noch kein Staub liegt. So kam ich auf die Marktforschung, und habe gemerkt, das ist sogar noch viel spannender als in alten Steinen herumzugraben.

marktforschung.de: Bei der Namensfindung waren Deine Eltern ja geradezu visionär – Dir ist das "Wissen" ja quasi in die Wiege gelegt worden. Ist Dir der Name eine Verpflichtung?

Wissbert: Tunichtsbert wäre mir ja ehrlich gesagt lieber gewesen. Ich hab aber die Herausforderung meines großen Namens angenommen. Irgendwer muss ja auch ab und zu einmal darauf aufmerksam machen, dass Marktforscher ein spannender Beruf ist, und dass Forschen und Analysieren Spaß macht und manchmal auch witzig sein kann. Am Ende hätte sonst womöglich ein anderer Bert wie Dagobert oder der Kumpel von Ernie den Job übernommen.

Das Interview führte Claas Lübbert

 

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